Meine ersten Monate in Deutschland

Du möchtest ins Ausland und planst, deinen Master oder MBA in Deutschland wie z. B. bei uns am International Graduate Center zu machen? Dann ist es hilfreich, schon vor deinem Aufenthalt ein paar Dinge zu wissen, die dir die ersten Monate in der neuen Heimat erleichtern. Denn es gibt so einige Besonderheiten und (nicht immer ganz ernst gemeinte) deutsche Eigenarten.

Bremer Altstadt

Deutsche Sonntage

Sonntage in Deutschland sind im Vergleich zu vielen anderen Ländern besonders – nämlich besonders ruhig, weil die Geschäfte (mit kleinen Ausnahmen wie z. B. Kiosken und Tankstellen) geschlossen sind. Wenn du also den Sonntag für den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt nutzen möchtest, stehst du vor verschlossener Tür. Du musst aber nicht hungern, denn Restaurants, Imbisse und Lieferdienste haben trotzdem geöffnet.

Im Restaurant: Trinkgeld geben

Du hast lecker im Restaurant gegessen und möchtest bezahlen: In Deutschland ist es üblich, 15-20% Trinkgeld für guten Service zu geben. Das Trinkgeld ist nicht in der Rechnungssumme enthalten, es muss also zusätzlich berechnet werden.

Die Liebe zum Bargeld

Die Deutschen zahlen bar, wo es nur geht – ganz nach dem Motto „Nur Bares ist Wahres“. Das gilt für den Einkauf im Supermarkt, im Bekleidungsgeschäft oder beim Essen im Restaurant. Durch die Zunahme von Online-Käufen und wegen der Pandemie nimmt langsam das kontaktlose Bezahlen per Bankkarte, Smartphone oder Smartwatch zu – schließlich ist es ja nicht so, dass es nicht jede Menge attraktive Alternativen gäbe. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern hängen die Deutschen aber noch immer sehr an ihrem Bargeld.

Einkaufen im Supermarkt

Einkaufen in einem deutschen Supermarkt ist ein Hochgeschwindigkeitsrennen, bei dem du deine sportlichen und koordinativen Fähigkeiten verbessern kannst. Die Königsdisziplin: Lebensmitteldiscounter. Nach dem Warm-up beim gemütlichen Schlendern durch die Gänge geht es an der Kasse in den Endspurt: Die Kassierer:innen ziehen Ware für Ware über den Scanner – 30, 40, 50 Artikel pro Minute. Rhythmisch beept die Kasse und du packst dagegen an, was das Zeug hält. Du raffst Joghurtpackung, Chipstüt, Erbsendose und Co. in deinen Rucksack, in die Tüte oder in den Einkaufswagen, um dann schnell den Supermarkt zu verlassen. Wenn du nicht schnell genug bist, fällt etwas herunter oder dich strafen die genervten Blicke der hinter dir ungeduldig wartenden Kund:innen. Challenge accepted?

Pfandsystem für Leergut

In Deutschland gibt es ein Pfandsystem für leere Einweg-Getränkeflaschen und -dosen. Kaufst du dir im Supermarkt z.B. eine Cola in der Plastikfalsche, zahlst du 25 Cent mehr und bekommst diesen Betrag wieder ausgezahlt, wenn du die leere Flasche im Laden oder an einem Pfandautomaten zurückgibst. Nach Rückgabe der Flasche bekommst du einen kleinen Bon. Bei Vorlage des Bons an der Kasse erhältst du die Pfandsumme zurück. Es lohnt sich also, Leergut zu sammeln und beim nächsten Gang in den Supermarkt zurückzubringen. Alle pfandpflichtigen Flaschen bzw. Dosen sind mit einem entsprechenden Pfandsymbol gekennzeichnet. Mit dem Pfandsystem soll die Umwelt entlastet werden, da die Flaschen und Dosen getrennt von anderem Müll besser recycelt oder zum Wiederverwenden gereinigt werden können.

Darüber hinaus gibt es noch Mehrwegflaschen (aus Glas, manchmal auch Plastik), die in der Regel ebenfalls durch ein entsprechendes Label als Mehrwegflasche erkennbar sind. Auf Mehrwegflaschen wird auch immer ein Pfand erhoben – meistens liegt es bei 8 oder 15 Cent. Eine Ausnahme bilden einige Saft- und Weinflaschen, auf die ein Pfand von 25 Cent erhoben wird.

Pünktlichkeit – (Fast) auf die Sekunde genau

„Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit“, sagt der Volksmund. Nicht alle Deutschen erreichen diese Perfektion, doch sie bemühen sich. Fast 85 Prozent von ihnen behaupten, dass sie Termine sehr ernst nehmen und das auch von anderen erwarten. Doch nicht nur bei Terminen, sondern auch beim Feierabend nehmen es einige mit der Pünktlichkeit sehr genau: Den Maurern sagt man nach, dass sie auf die Sekunde genau die Kelle aus der Hand legen, um den Feierabend nicht zu verpassen.

Den Müll trennen

In Deutschland beginnt die Mülltrennung direkt bei dir zu Hause, sie ist sogar Pflicht. Das heißt, dass jeder Haushalt seinen Müll selbst sortieren und in verschiedene Tonnen und Container werfen muss. Ein Großteil des Mülls in Deutschland wird recycelt und kompostiert, das schont Ressourcen und schützt die Umwelt. Wann welcher Müll abgeholt wird, steht im sogenannten „Abfallkalender“ deines Wohnortes. In jede Tonne darf nur bestimmter Müll geworfen werden:

 

  • Gelbe Tonne (auch „Gelber Sack“ oder „Grüner-Punkt-Müll“): Leichtstoffverpackungen, also alle Verpackungen, die nicht aus Glas oder Papier sind (z. B. Plastiktüten, Konservendosen, Saft- und Milchkartons)
  • Grüne oder blaue Tonne: Papierabfälle und Pappe
  • Schwarze oder graue Tonne: Restmüll oder Hausmüll und alle Abfälle, die nicht wiederverwertet werden können (z.B. Porzellan, Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Fensterglas)
  • Bioabfall oder braune Tonne: Kompostierbare Küchen- und Gartenabfälle (z. B. Kaffeesatz, Obst- und Gemüsereste, Eierschalen).

Unterwegs auf zwei Rädern

Wenn du in Deutschland bist und kein Auto hast, ist für kurze Strecken das Fahrrad eine hervorragende – und bei gutem Wetter sehr beliebte - Alternative. Mit dem Rad bist du häufig sogar schneller am Ziel als mit Bus und Bahn, die meistens nicht den kürzesten Weg nehmen. Ob in der Innenstadt oder vor Bahnhöfen: Es gibt jede Menge Fahrradständer zum Anschließen – manche sind so groß, dass du dein Rad vor lauter Rädern kaum wiederfindest.

Sich an den Regen gewöhnen

Wenn du in Deutschland lebst, musst du dich an den Regen gewöhnen. Niederschlag fällt vor allem im Süden und Westen Deutschlands an durchschnittlich 126 bzw. 132 Regentagen im Jahr. Im Süden regnet es vor allem während der Sommermonate, im Westen vermehrt während des Winters. Im Norden wie z. B. in Bremen verteilen sich die Regentage gleichmäßiger über das Jahr. Der nasseste Monat in Bremen ist der Mai. Die Investition in Regenjacke und Regenschirm dürfte sich also auf jeden Fall lohnen. Das Gute: Wenn dann mal die Sonne scheint, genießen wir das umso mehr!