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12 Steps - 12 Schritte zum Job:

12 Steps, was ist das? Ein Leitfaden für internationale Studierende in Bremen, die nach ihrem Studium den Berufseinstieg in Bremen und der Region wagen oder ihre Karriere hier fortsetzen möchten.

12 Steps  beschreibt die wesentlichen Schritte, um diesen Weg erfolgreich gehen zu können. Es wendet sich an Studierende aller Hochschulen in Bremen, unabhängig davon, ob Sie an der Hochschule Bremen, der Universität Bremen oder der Jacobs Universität studieren.

12 Steps wurde von vielen unterstützt: der Agentur für Arbeit in Bremen, der Handelskammer Bremen, der BSU, dem Hochschulinformationsbüro des DGB, dem "Arbeitskreis Arbeitsmarktperspektiven Internationale Studierende aller Hochschulen in Bremen" und vielen weiteren. Ein großes Danke an alle Beteiligten, ohne sie wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen!

Muss man alle Schritte chronologisch bearbeiten? Wir haben uns überlegt, welche Schritte logisch aufeinander aufbauen. Dennoch lade ich Sie herzlich ein, sich alle Schritte  anzuschauen und je nach Bedarf zu überspringen oder zu vertiefen. Aber beginnen Sie mit Number Eins: Mit deutschen Sprachkenntnissen geht alles einfacher!

Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg für Ihre Suche! Ich freue mich über Ihr Feedback, vermissen Sie Informationen, dann teilen Sie mir das gerne mit! 12 steps wird immer wieder aktualisiert werden.

Und noch eine Bitte: teilen Sie Ihre Erfahrungen und Tipps für die Jobsuche in Bremen! Dann können auch andere davon profitieren! Vielen Dank!

Step 1: Lernen Sie Deutsch!

Priorität Nummer Eins bei Ihrer Stellensuche sollte das Erlernen der deutschen Sprache sein. Ohne gute Deutschkenntnisse haben Sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt Nachteile. Es gibt sicher Ausnahmen, einige internationale Firmen stellen auch Absolventen ohne Deutschkenntnisse ein, wenn sie stattdessen sehr gute Englischkenntnisse haben. Aber Ihre Chancen auf gute Stellen sind ungleich höher, wenn Sie Deutsch lernen und konsequent daran arbeiten, Ihre Deutschkenntnisse zu erweitern. 

Nutzen Sie dafür jede Möglichkeit: besuchen Sie Deutschkurse an den Universitäten oder bei anderen Anbietern, informieren Sie sich über das Selbstlernzentrum an den Unis, lesen Sie die Zeitung, gehen Sie ins Kino, aber vor allem: reden Sie mit Deutschen!! 

Deutschkurse in Bremen:Kosten:Links:
Fremdsprachen Plus  Hochschule Bremen160 € (Für 60 Unterrichtsstunden)http://www.hs-bremen.de/internet/de/weiterbildung/koowb/fremdsprachen/deutsch
Fremdsprachenzentrum  Universität Bremen160 € (Für 60 Unterrichtsstunden)

http://www.fremdsprachenzentrum-bremen.de/

Casa International Language School125 € (Ab 20 Stunden pro Woche)http://www.casa-bremen.de/en/language-courses/
Goethe InstitutEin Monat Unterricht http://www.goethe.de/
Volkshochschule BremenZwischen  185 € und 372 € (100 – 225 Unterrichtsstunden)https://www.vhs-bremen.de/
Aktiv Deutsch Bremen330 € (120 Unterrichtsstunden)http://www.aktiv-deutsch-bremen.de/
Aristoteles Institut490 € (160 Unterrichtsstunden)http://www.aristoteles-institut.de/

 

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 2: Karriereprofil entwickeln

Wissen Sie, was Sie wollen? Haben Sie eine Karrierestrategie? Was zeichnet Sie aus, was macht Sie besonders? Viele Absolventen bewerben sich relativ wahllos auf freie Stellen. Weitaus sinnvoller könnte es sein,  die eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten zu analysieren und eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Diese 7 Punkte  können Sie darin unterstützen, sich über Ihre Ziele klarer zu werden und ihre Ideen umzusetzen.

7 Fragen zum eigenen Karriereprofil:

  1. Was macht Sie besonders? Was unterscheidet Sie von anderen? Worin sind Sie besonders gut? Was fällt Ihnen leicht? Viele Untersuchungen zeigen, dass Menschen glücklicher und erfolgreicher sind, wenn Sie im Berufsleben ihre Stärken einsetzen können. Es lohnt sich daher, genauer zu überlegen, was Ihre Stärken, Fähigkeiten und Talente sind. Was haben Sie bereits alles erreichen können? (beruflich und privat, als Freiwilliger, bei Hobbies, im Studium, bei einem Praktikum und mehr) Was haben Sie anzubieten? Wer sind Sie? Kostenlose Persönlichkeitstests können auch weiterhelfen, dieser Frage nachzuspüren. Und wenn Sie nicht weiter wissen, fragen Sie Ihre Freunde! Die wissen meistens ganz gut, worin Sie sich auszeichnen!

  2. Genauso wichtig ist die Frage, was Sie erreichen wollen. Welche Themengebiete faszinieren Sie? Welche Ihrer Fähigkeiten wollen Sie im Job tatsächlich nutzen? Welche Arbeitsbedingungen sind gut für Sie? Wo wollen Sie leben und arbeiten? In Bremen, Berlin, Buxtehude oder in Paris?  Mit welchen Leuten wollen Sie arbeiten? Und für wen? Als Angestellter, im eigenen Büro oder freiberuflich? Machen Sie sich auf den Weg!

  3. Wie könnte sinnstiftende Arbeit für Sie aussehen? Was ist Ihre Lebensphilosophie? Wie definieren Sie Erfolg? Welche Werte sind Ihnen wichtig? Was wollen Sie mit Ihrer Arbeit mittel- und langfristig erreichen? Was ist Ihnen wirklich wichtig? Haben Sie eine Vision, wie Ihr Leben aussehen könnte, um sich gut anzufühlen? Nehmen Sie sich die Zeit, diese Fragen in Ruhe zu klären. Es lohnt sich!

  4. Wenn Sie weiterdenken, wie könnten Sie Ihre Fähigkeiten, Ideen und Visionen zusammenbringen? Welches Arbeitsgebiet wäre spannend? Wie könnte eine Karriere aussehen, die auf Ihren Werten und Interessen basiert und zu Ihrer Persönlichkeit passt? Welcher Arbeitgeber, welcher Kunde könnte von Ihnen profitieren? Was wären potentielle Zielgruppen? Und um konkreter zu werden, welche Jobs würden Ihnen die Chance bieten, Ihre Talente in einem Umfeld zu  nutzen, das Ihren Interessen am meisten entspricht? Welche Firmen oder Organisationen  würden Leute wie Sie einstellen? Lassen Sie Ihre Ideen fließen und holen Sie sich Feedback von Freunden und Familie. 

  5. Im nächsten Schritt gilt es herauszufinden, ob sich Ihre Ideen umsetzen lassen. Haben Sie ausreichend Informationen über diese Berufswege? Haben  Sie mit Leuten gesprochen, die in diesen Bereichen arbeiten? Wie sehen typische Arbeitstage aus, was verdient man, gibt es Aufstiegschancen? Sprechen Sie andere an, versuchen Sie, soviel wie möglich zu erfahren. Entsprechen diese Karrieren wirklich Ihren Interessen und Fähigkeiten? Welche weiteren Informationen benötigen Sie? Welche Kontakte wären wichtig? Und ganz wichtig: verlassen Sie sich nicht nur auf das Internet, verlassen Sie das Haus und sprechen Sie mit realen Menschen!

  6. Sie wissen nun, welcher Beruf zu Ihnen passen würde? Wunderbar! Was müssen Sie jetzt unternehmen, um Ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen?  Was wäre der nächste Schritt, mag er noch so klein sein? Welche weiteren Schritte könnten folgen? Die meisten von uns können unser Leben und unsere Karriere nicht minutiös planen, aber wenn wir den nächsten Schritt nicht gehen, kommen wir nirgendswo an. Was können daher kurz- und mittelfristige Ziele sein, um Ihr langfristiges Ziel zu erreichen? Können Sie einen Plan aufstellen? Und ist er flexibel genug, um Raum für Unvorhergesehenes zu lassen?

  7. Und nicht zuletzt: wo können Sie Unterstützung bekommen? Emotional und möglicherweise finanzieller Art? Und wie können Sie sich selber belohnen? Was hilft Ihnen, Hindernisse auf dem Weg zu überwinden? Welche Strategien könnten hilfreich sein? 

Ihre  Zukunft rückt näher, wenn Sie sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Viel Glück damit!

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 3: Informationen über potentielle Arbeitgeber

Interview mit Dr. Ullrich Hautau, Handelskammer Bremen


Bremen gilt als Stadt der Talente. Angenommen, ich bin so ein High Potential, wie finde ich eine Aufgabe, die zu mir passt?
Die Berufswahl sollte jeder von langer Hand vorbereiten, idealerweise sich bereits während des Studiums dazu Gedanken machen. All das braucht Zeit, man sollte es nicht unterschätzen. High Potential ist jeder auf seine Art und Weise. Wichtig ist, ein realistisches Bild von sich selber zu bekommen. Oftmals klafft da gerade bei Berufsanfängern eine Lücke zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Deshalb sollte man sich regelmäßig Feedback von anderen Menschen holen und mit dem eigenen Selbstbild abgleichen. Das hilft ungemein.

Was zeichnet den Standort Bremen aus? Welche Branchen sind hier besonders erfolgreich?
Bremen ist der fünftgrößte Industriestandort Deutschlands; eine Stadt der kurzen Wege mit einer hohen Lebensqualität sowie insgesamt erschwinglichen Miet- und Immobilienpreisen. Wer die Lebenshaltungskosten mit ins Kalkül zieht, wird schnell merken, dass sich in Bremen gutes Geld verdienen lässt. Da müssen wir uns hinter anderen deutschen Metropolen nicht verstecken.
Schifffahrt, Häfen und Hightech-Schiffbau sind natürlich die klassischen Branchen für einen maritim geprägten Standort wie Bremen und Bremerhaven. Zudem ist hier das weltweit zweitgrößte Pkw-Werk von Mercedes-Benz angesiedelt – mit über 12.800 Mitarbeitern größter privater Arbeitgeber in der Region. Neben der maritimen Wirtschaft und Automotive zählen auch die Windenergie sowie die Luft- und Raumfahrt zu den wichtigen Wirtschaftszweigen. Interessant ist auch die Nahrungs- und Genussmittelindustrie: In keiner anderen Stadt Europas gibt es eine so große Vielfalt an Produkten und Marken der Branche, wie sie in Bremen und Bremerhaven zu finden ist.

Wo kann ich mehr über Unternehmen und Industrien im Bremer Umland erfahren?
Hier gibt es viele Möglichkeiten. Sinnvoll erscheint es mir, zunächst einen Überblick über wirtschaftliche Entwicklungen in Bremen und der Region zu erhalten. Folgende Fragen könnten weiterhelfen: wie entwickeln sich die einzelnen Branchen? Wie ist die aktuelle Situation? Welche Unternehmen sind überregional und vielleicht international tätig? Welche Aufgabenbereiche könnten zu meinen im Studium erworbenen Fähigkeiten passen oder schließen sich an eine bereits erfolgte Berufstätigkeit an? Was finde ich spannend? Antworten finden Sie im Wirtschaftsteil der lokalen Tageszeitungen (Weserkurier und TAZ für Bremen: www.weser-kurier.de, www.taz.de/!p4652/ und für Bremerhaven in der Nordseezeitungwww.nordsee-zeitung.de/startseite.html).  Auch die monatlich erscheinende Wirtschaft in Bremen, das Magazin der Handelskammer Bremen (http://www.handelskammer-bremen.ihk24.de/), die monatliche Wirtschaftszeitung (http://www.wirtschaftszeitung.info/web/startseite.html) oder Karriereplus, eine Beilage des Weserkuriers (http://verlag.weser-kurier.de/kundenwerbung/karriereplus.pdf) bieten viele Hinweise und spannende Artikel.
Neben Bremen könnten auch die Metropolregion Bremen-Oldenburg (http://www.metropolregion-nordwest.de/) oder die Industrie- und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser-Raum (http://www.stade.ihk24.de/) gute Möglichkeiten bieten.

Überregional lohnt sich der Blick in die Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/) oder das Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/), die Financial Times (http://www.ft.com/intl/world/europe), den Wirtschaftsteil der ZEIT (http://www.zeit.de/wirtschaft/index) oder der FAZ http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/).
Wenn ich genauer weiß, welche Branche für mich in Frage kommt, lohnt es sich, im Internet zu recherchieren, direkt bei den Firmen, bei der Datenbank REGISonline.de (http://regisonline.de/de/region/kreise_staedte/) oder beim Portal Great Place to work (http://www.greatplacetowork.de/siegerliste-banib-2014).
Viele Stellenausschreibungen finden sich direkt auf den Websites der Firmen. Sie erfahren dort auch viel über das Leitbild der Unternehmen und aktuelle und geplante Projekte. Wertvolle Hinweise und Daten über Firmen finden sich auch auf dem Portal Make it in Germany.com (http://www.make-it-in-germany.com/). Dort gibt es zu jedem Bundesland detaillierte Informationen. Auch die Handelskammer Bremen offeriert eine Firmenrecherche, das wäre allerdings kostenpflichtig.

Wie und wo schreiben diese Firmen Stellen aus (Tageszeitung, Social Media, persönliche Kontakte, Stellenbörsen?)
Alle Kommunikationskanäle spielen heute eine Rolle und sollten deshalb mit in die Überlegungen einbezogen werden. Jobsuche ist mit akribischer Arbeit und Vorbereitung verbunden – das fängt bereits bei der Stellenrecherche an.

Wie kann ich am besten Kontakt zu diesen Firmen aufnehmen?
Am besten selber aktiv werden. Wer nur zu Hause rumsitzt und hofft, gefunden zu werden, hat schlechte Karten. Ruhig mal den Telefonhörer in die Hand nehmen und bei der Personalabteilung nachfragen, ob Bedarf besteht oder auch eine Initiativbewerbung Aussicht auf Erfolg haben könnte. Natürlich spielt auch das berühmte Quäntchen Glück bei der Stellensuche mit. Das kann man sich aber auch erarbeiten.

Wie kreativ kann ich bei meiner Bewerbung sein? Sind Bremer Unternehmen sehr traditionell?
Das hängt von der Branche, dem Unternehmen und der konkreten Stellenausschreibung ab. In der Kreativwirtschaft hat man da sicher mehr Spielraum als in einem konservativen Metier.

Welche Möglichkeiten gibt es in Bremen, um in einem Gespräch erste Kontakte zu Firmenvertretern zu knüpfen?
Einfach mal „Jobmessen Bremen“ in die Internet-Suchmaschine eingeben. Sie werden erstaunt sein, was man dort alles findet. An der Universität Bremen findet immer im Mai die Praxisbörse statt, eine tolle Möglichkeit, mit Repräsentanten von Firmen aus Bremen und der Region zu sprechen. http://www.uni-bremen.de/praxisboerse.html
Zudem bietet die Handelskammer verschiedene Veranstaltungen zu Wirtschaftsthemen an. Weitere Infos finden Sie auf der Website der Handelskammer. www.handelskammer-bremen.ihk24.de. Spannende Informationen und Projekte gibt es auch bei I2B, (http://www.i2b.de/home/), verfolgen Sie die Berichte dort! 

Welche Branchen sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen?
Bis vor kurzem war das Problem Fachkräftemangel nur in einigen Branchen bekannt – besonders im Maschinenbau und bei den Ingenieuren. Heute sind fast alle Branchen der deutschen Wirtschaft betroffen. Dabei klagen die Unternehmen weniger über die Quantität, sondern vielmehr über die Qualität der Bewerber.

Was tun Bremer Unternehmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?
Die Betriebe reagieren mit zusätzlichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Sie entwickeln Konzepte zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch ältere Arbeitnehmer sollen nach Möglichkeit länger gehalten werden. Die Steigerung der eigenen Attraktivität als Arbeitgeber ist ein weiterer Baustein. Last, but not least werden auch immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert.

Inwieweit ist das von der konjunkturellen Entwicklung abhängig?
In Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs ist es ganz normal, dass Fachkräfte vermehrt gesucht werden.

Welchen Einfluss haben globale Ereignisse wie z.B. die Krise in der Ukraine auf die Wirtschaft in Bremen?
Internationale Krisenereignisse haben natürlich immer auch Auswirkungen auf die Unternehmen. Das lässt sich für eine exportorientierte Wirtschaft wie der deutschen nicht vermeiden. Die meisten Betriebe wissen aber damit umzugehen und die Risiken zu meistern.

In welchen Branchen gibt es auch absehbar viele Bewerber um eine Stelle?
Wie bereits gesagt: Die Unternehmen klagen weniger über die Quantität, sondern vielmehr über die Qualität der Bewerber.

Muss ich gut Deutsch sprechen können, um mich hier zu bewerben?
Deutsch ist ein absolutes Muss, wenn man hierzulande arbeiten möchte. Ich kann nur jedem ausländischen Studenten empfehlen, so früh wie möglich Deutsch zu lernen und entsprechende Sprachkurse zu belegen. Nebenbei fördert das natürlich auch die soziale und gesellschaftliche Integration.

Angenommen, ich komme aus Indien, habe an der Hochschule Bremen meinen MBA gemacht und verfüge über 3 Jahre Berufserfahrung in Indien. Soll ich mich hier auf ein Praktikum bewerben?
Eher nicht. Nur im Notfall, um zum Beispiel den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ein ausländischer Studienabsolvent aus einem Nicht-EU-Staat hat 18 Monate Zeit, eine angemessene Beschäftigung zu finden. Danach riskiert er seinen Aufenthaltstitel. Deshalb sollte er möglichst seine ganze Kraft für die Jobsuche verwenden.

Was kann die Handelskammer für mich tun?
Wir vermitteln keine Fachkräfte und Hochschulabsolventen. Das können andere wie die Arbeitsagentur, private Personalberatungen oder Headhunter viel besser. Wenn man sich aber selbständig machen oder ein Unternehmen gründen will, dann helfen wir gerne mit unseren Existenzgründungsberatungen weiter. Insgesamt ist das Thema Unternehmensgründung und Selbständigkeit bei den ausländischen Studierenden noch viel zu wenig in den Köpfen verankert.

Wie kann ich mehr über studienbegleitende Praktikumsstellen erfahren?
Auch hier sollte man sich auf Jobmessen, in einschlägigen Internetportalen oder direkt bei den Unternehmen informieren. Die International Offices der Hochschulen können hier auch wertvolle Hinweise und Tipps geben. Es gilt die goldene Regel: Augen und Ohren auf, selber aktiv werden. Von nichts kommt nichts!

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 4: Informieren Sie sich über den Mittelstand!

Interview mit Martin Damm, Leiter Zentralbereich Personal der Hegemann-Gruppe

Was versteht man unter dem deutschen Mittelstand? 
Deutsche Unternehmen, die sich in ihrer Struktur kennzeichnen durch schnelle Entscheidungswege, Nähe zum Kunden, Verzicht auf politische Einflussnahme und hands-on-Mentalität.

Wieso sollte ich mich als internationaler Student dafür interessieren? Sind die Global Players nicht viel wichtiger? 
Weil der deutsche Mittelstand der Innovator der deutschen Wirtschaft ist. Darüber hinaus kann man auch als einzelne Person in einem mittelständischen Unternehmen viel bewegen und somit seinen footprint hinterlassen.

Was sind die Vorteile für Bewerber bei mittelständischen Unternehmen?  
Mitarbeiter werden individuell als Person wahrgenommen. Sie erhalten umfassendere Aufgaben und größere Entscheidungsfreiräume.

Könnten Sie ein Beispiel geben?
Nun sind Beispiele in diesem Bereich nicht leicht zu beschreiben, da viele Hintergrundinformationen notwendig sind. Ich erlebe es aber immer wieder, wie überrascht Mitarbeiter sind, gerade welche, die bereits Berufserfahrung in einem Konzern gesammelt haben, wie viel Vertrauen und Verantwortung ihnen im Mittelstand übertragen wird.

Was muss ich beachten, wenn ich mich bei einem mittelständischen Unternehmen bewerbe?
Seien sie authentisch! Zusätzlich sind Fleiß und Entscheidungsfreude hilfreiche Tugenden. Und wann immer sie einen Fehler machen, dann bitte stehen Sie dazu.

Ist der Mittelstand generell traditioneller?
Nein, im Mittelstand gibt es die Spannbreite von traditionell bis modern und von konservativ bis innovativ. Häufig alles tatsächlich in einem Unternehmen.

Wird bei mittelständischen Unternehmen nur Deutsch gesprochen???
Nein, aber das ist ein überwiegendes Kennzeichen. Damit meine ich, dass man in den meisten mittelständischen Unternehmen sehr gerne die Kommunikation in Deutsch pflegt. Für eine Karriere im Mittelstand halte ich deshalb sehr gute Sprachfähigkeiten in Deutsch für sehr wichtig. 

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 5: Netzwerken Sie!

Mit Netzwerken können Sie punkten! 60 bis 70 Prozent aller Jobs werden über Netzwerke vergeben. Es kann also sehr wichtig sein, Leute zu kennen, die die richtigen Leute kennen oder  vielleicht den entscheidenden Hinweis auf eine freie Stelle geben können. Viele Arbeitgeber suchen Kandidaten, die gut kommunizieren können, mit erfolgreichem Netzwerken stellen Sie das gleich unter Beweis. Aber Netzwerken ist weit mehr  als ein Instrument zur Stellensuche. Ein gutes Netzwerk kann inspirieren, die Kontakte und der Austausch mit anderen Ihr Wissen erweitern, Sie lernen spannende Leute kennen und erweitern Ihren Horizont. 

Gerade für internationale Studierende lohnt es sich,  sich bewusst vorzunehmen, in der neuen Umgebung neue Kontakte zu knüpfen. Gerne auch außerhalb der Hochschulen und jenseits von Studierenden. Deutsche (Sport-) Vereine bieten Anknüpfungspunkte, aber auch viele andere Möglichkeiten gilt es zu erkunden. Neue Kontakte machen das Leben leichter, beruflich und privat!!

Fragen Sie sich: Knüpfen Sie gerne Kontakte? Machen Sie es eine Priorität! Verlassen Sie dazu auch die Uni! Welchen Gruppen könnten Sie sich möglicherweise anschließen? Wo könnten Sie interessante Leute treffen? Gibt es vielleicht interessante Konferenzen, die einen Besuch lohnen? Bei welchen anderen Veranstaltungen könnten Sie andere Leute treffen? Gibt es eine Alumni Organisation, der sie beitreten könnten? Berufsverbände für Ihr Studienfach? Auch als Ehrenamtlicher lernt man viele Leute kennen, macht etwas Sinnvolles und lernt die Stadt kennen. Grundsätzlich gilt: Seien Sie pro-aktiv, gehen Sie auf Leute zu!

Social media bietet sich gleichermaßen fürs Netzwerken an. Haben Sie bereits in Xing Profil (für Deutschland wichtig) oder sind Sie bei LinkedIn angemeldet? Schauen Sie sich an, wie sich andere präsentieren und gestalten Sie ein ansprechendes Profil, bitte mit freundlichem und professionellem Foto! Überlegen Sie sich eine gute Profilüberschrift. Beide Netzwerke bieten auch Diskussionsgruppen und Xing auch lokale Gruppen an, machen Sie sich schlau, engagieren Sie sich. So werden andere auf Sie aufmerksam und Sie lernen dazu. Aber: Social Media ist klasse, reicht aber nicht aus. Sie müssen auch echte Menschen im wahren Leben treffen, dort lässt sich besser Vertrauen aufbauen. Also, Notebook zuklappen und das Haus verlassen! 

Das Career Center an Ihrer Hochschule bietet weitere Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten. Grundsätzlich gilt: Career Center vermitteln Studenten nicht in Jobs, können Sie aber bei der Jobsuche und der Bewerbungsvorbereitung unterstützen. Viele Career Center bieten Kurse, Workshops oder Vorträge an. Die Teilnahme lohnt sich! Vielleicht erfahren Sie mehr über Arbeitgeber vor Ort, sicher lernen Sie andere Studenten kennen, die sich beruflich orientieren. Auch diese Kontakte können sehr wertvoll sein, denn gemeinsam geht alles leichter! 

Ist es ok, Ihre Kontakte direkt nach Jobs zu fragen? Viele Karriereexperten raten davon ab. Man sollte andere nicht in eine Position bringen, in der sie „Nein“ sagen müssen. Besser wäre es,  um Rat oder eine Meinung zu bitten, herauszufinden, was in unterschiedlichen Branchen zu beachten ist, wie ein typischer Arbeitstag aussieht, welche Kompetenzen erforderlich sind  und vieles mehr. Sie können auch erfragen, wen Sie vielleicht noch kontaktieren sollten. 

Generell gilt: Networking ist keine Einbahnstraße. Idealerweise profitieren beide Seiten davon. Werden Sie nicht zum gefürchteten „Schwarzen Loch“, aus dem nichts zurückkommt, auch kein Licht. Hören Sie also genau zu, was der andere sagt, greifen Sie Anregungen auf, leiten auch Sie relevante Informationen an andere weiter.  Gutes Netzwerken bedeutet Informationen, Wissen und Kontakte zu teilen. 

Netzwerken kann Ihr Berufs- und Privatleben bereichern und sogar dabei helfen, neue Jobs zu finden. Werden Sie aktiv und fangen Sie heute damit an!

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 6: Bewerben in Deutschland

Interview mit Ute König, Agentur für Arbeit Bremen

Worauf muss ich achten, wenn ich mich in Deutschland bewerbe?
In Deutschland gibt es relativ formalisierte Vorgaben / Empfehlungen für eine Bewerbung: sie umfasst das Anschreiben, den (lückenlosen!, tabellarischen) Lebenslauf, Zeugnisse vom Studium, Praktika, längerfristigen Nebentätigkeiten und am Anfang der Berufslaufbahn auch noch das letzte Schulzeugnis. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern ist in Deutschland ein professionelles Bewerbungsfoto üblich und gewünscht.Gute Informationen rund um das Thema Bewerbung finden Sie auf der Seite
www. arbeitsagentur.de /Bürgerinnen & Bürger Arbeitslosigkeit Beratung und Vermittlung Akademiker

Was ist eine Initiativbewerbung und wie geht das?
Bei einer Initiativbewerbung nimmt man idealerweise telefonisch oder per E-Mail Kontakt zu einem Arbeitgeber auf, ohne dass eine (passende) Stelle ausgeschrieben ist. Wichtig ist dabei, sich zu überlegen, warum man für diesen Arbeitgeber tätig sein möchte und welche Kenntnisse und Qualifikationen für ihn interessant sein könnten. Gut ist es, dies bereits im Erstkontakt deutlich zu machen, um damit Interesse beim Arbeitgeber zu wecken. 

Was zählt für deutsche Arbeitgeber am meisten: Noten, Berufserfahrung, Deutschkenntnisse?
Dies lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt vom jeweiligen Arbeitgeber und der Position ab. Deutlich wird immer wieder, dass Arbeitgeber besonders viel Wert auf praktische Erfahrungen -  auch während des Studiums – legen. Darüber hinaus sind ausreichende Deutschkenntnisse wichtig, um sich auch über das rein fachliche hinaus am Betriebsleben beteiligen zu können.

Soll ich meinen Lebenslauf in Deutsch schreiben, wenn ich nicht gut Deutsch kann?
In den allermeisten Fällen ist es empfehlenswert, den Lebenslauf in Deutsch zu verfassen und sich dafür ggf. auch Unterstützung zu holen (z.B. im Career Service, bei der Arbeitsagentur etc.).  Aber natürlich gibt es wie grundsätzlich beim Thema Bewerbung immer auch Ausnahmen; in Zweifelsfällen kann man sich auch bei der Personalabteilung der jeweiligen Firma erkundigen. Bei englischsprachigen Stellenangeboten wird häufig eine Bewerbung auf Englisch erwartet.

Brauche ich noch eine Bewerbungsmappe oder sind alle Bewerbungen online oder per email?
Zunehmend häufiger erwarten Firmen eine Bewerbung online oder per E-Mail, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Im Zweifelsfall: nachfragen.

Wie verschicke ich meine Anhänge? (PDF, nicht mehr als 4 MB)
Die kompletten Bewerbungsunterlagen (incl. Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnissen etc.) sollten in einer! PDF, die nicht mehr als 4 MB umfasst, verschickt werden. Auch hier gibt es Ausnahmen, z.B. wenn ein Arbeitgeber Arbeitsproben wünscht. 

Worauf muss ich beim Anschreiben achten?
Aus dem Anschreiben sollte die Motivation, mit der man sich für diese spezielle Stelle und den jeweiligen Arbeitgeber bewirbt, deutlich werden. Die vorhandenen Qualifikationen sollten in Bezug auf die Stelle dargestellt werden; bitte nicht den Lebenslauf „nacherzählen“! Bewerbung heißt „für sich werben“; oft ist es hilfreich, sich vor einer Bewerbung zu überlegen, was man dem Arbeitgeber bieten kann, welches „Bild“ man von sich vermitteln möchte.

An wen richte ich mein Anschreiben?
Das Anschreiben sollte an die im Stellenangebot angegebene Person gerichtet werden. Falls kein Name angegeben ist, empfiehlt es sich, bei der Firma nach dem/der Ansprechpartner/in fragen. 

Was mache ich, wenn ich lange nichts höre. Kann ich nachfragen?
Ja. Allerdings sollte man dem Arbeitgeber etwas Zeit lassen und sich daran halten, wenn in der Eingangsbestätigung etwas steht wie:  „wir bitten von Rückfragen abzusehen“. 

Brauche ich Kopien aller Unterlagen?
Die wichtigsten Nachweise sollten in Kopie vorliegen; auch hier gilt „auf die Dateigröße achten“ und manchmal ist weniger mehr, d.h. treffen Sie eine gute Auswahl.

Sind Arbeitszeugnisse wichtig?
Ja, weil der zukünftige Arbeitgeber daraus etwas über Sie als Mitarbeiter/in entnehmen kann.

Meine Unterlagen sind nicht in Deutsch. Was muss ich übersetzen lassen?
Die Arbeitgeber müssen aus Ihren Unterlagen entnehmen können, über welche Qualifikationen Sie verfügen, deshalb sollten sie übersetzt sein. Für ausländische Abschlüsse, die Sie sich in Deutschland anerkennen lassen wollen, müssen alle relevanten Unterlagen übersetzt werden.

Wie sieht ein gutes Bewerbungsfoto aus? Kann ich es selber machen?
Wie für einen Arbeitgeber ein „gutes Bewerbungsfoto“ aussieht, hängt neben persönlichen Vorlieben auch von der Branche und der Position, auf die sie sich bewerben, ab. Um einen Eindruck vom Stil des jeweiligen Unternehmens zu bekommen, sollten Sie einen Blick auf die Homepage werfen. Und nein – bitte nicht selber versuchen, hier ist ein professionelles Fotostudio gefragt.

Kann ich auch einfach selber bei einer Firma vorbeigehen und meine Bewerbung abgeben?
Das kann sogar eine richtig gute Idee sein – aber bitte niemals unvorbereitet den Kontakt aufnehmen!

Was wäre Ihnen noch wichtig?
Viele Bewerber/innen denken bei Qualifikationen ausschließlich an ihr Studium und vergessen, dass ihre sonstigen Erfahrungen aus Nebentätigkeiten und Engagement innerhalb und außerhalb der Hochschule sowie besondere Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen für die Arbeitgeber sehr wertvoll sein können. Oft ist dies der ausschlaggebende „Mosaikstein“, der Sie von den Mitbewerbern/innen unterscheidet.

Was ziehe ich zum Interview an?
Auch hier kommt es wieder auf Position und Branche an und es gilt,  sich vorab auf der Homepage des Arbeitgebers zu informieren. In der Regel sind Hemd, Krawatte und Jackett für Männer und Bluse und Blazer für Frauen eine gute Wahl. Und: man sollte sich in der Kleidung wohlfühlen.

Was muss ich über Assessment Center wissen?
Über den Ablauf und mögliche Formen / Übungen können Sie sich gut auf der obigen Homepage informieren. Für den Arbeitgeber ist der gesamte Tag, inclusive der Pausen, relevant, um einen Eindruck von Ihnen zu bekommen. Am wichtigsten ist es, nicht zu denken, dass man sich verstellen müsste / könnte. Bleiben Sie authentisch.

Wie wichtig ist den Deutschen Pünktlichkeit?
Wichtig!!!! Beispielsweise wird ein Zuspätkommen zum Vorstellungsgespräch häufig als Respektlosigkeit betrachtet – egal wie gut die Begründung ist. 

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 7: Fitmachen für den deutschen Lebenslauf

Ein Interview mit Dr. Lienstädt, Career Center Uni Bremen und Mitarbeiter im Hochschulteam der Agentur für Arbeit Bremen

Welche Bedeutung hat der Lebenslauf für eine erfolgreiche Bewerbung bei einem deutschen Unternehmen?
Der Lebenslauf ist vielleicht der wichtigste Teil einer Bewerbungsmappe bzw. der online versandten Bewerbungsunterlagen. Er soll Aufschluss geben über den beruflichen Werdegang,  die Ausbildung und die dadurch erworbenen Qualifikationen und auch einen Einblick in die Persönlichkeit des Bewerbers zulassen.

Was ist bei einem Lebenslauf besonders zu beachten?
Für ein ganz wichtiges Kriterium für einen Lebenslauf halte ich die übersichtliche Gestaltung. Wenn ein potenzieller Arbeitgeber  Bewerbungsunterlagen sichtet, möchte er sich einen möglichst schnellen Überblick über den Bewerber verschaffen. Dafür bedarf es eines gut strukturierten und übersichtlichen Lebenslaufs. Es ist durchaus üblich, dass das Anschreiben überflogen wird  und das erste Augenmerk dem Lebenslauf gilt.

Wie muss man sich einen übersichtlich gestalteten Lebenslauf vorstellen?
Es fängt damit an, dass in einem ersten Abschnitt unter der Überschrift „Persönliche Daten“ diese dargestellt werden. Dazu gehört Vorname und Familienname, Geburtsdatum, Nationalität, Adresse, Emailadresse, Telefonnummer.
Dabei wird schon einiges von der Person preisgegeben. Das ist in Deutschland  üblich jedoch nicht unumstritten.

Gibt es Länder, in den das anders gehandhabt wird?
Das gibt es, sieht man sich Bewerbungen beispielsweise in den USA an, so wird dort keinerlei Bezug auf Alter, Geschlecht, Religion, Rasse genommen, auch ein Foto ist dort als Teil der Bewerbungsunterlagen verpönt. Auch in Deutschland gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG),  auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, in dem für den Lebenslauf und die Bewerbung insgesamt ähnliche Vorgaben gelten, wie sie in den USA praktiziert werden. Nur halte ich es für fast unmöglich, sich diesem Gesetz entsprechend zu bewerben, bei praktisch allen deutschen Unternehmen würde das auf Unverständnis stoßen.

Stichwort Foto: Wo sollte das in den Bewerbungsunterlagen auftauchen? 
Das hängt davon ab, ob ein Deckblatt Teil der Bewerbung ist, dann hat das Foto dort seinen Platz. Wenn darauf verzichtet wird, kommt das Foto auf die erste Seite des Lebenslaufs, zu den persönlichen Daten. Für das Foto gilt, dass es möglichst professionell hergestellt sein sollte, das heißt von einem Fotografen.

Welche weiteren Bestandteile hat der Lebenslauf?
Im Folgenden sollten dann in jeweils einzelnen, voneinander getrennten Abschnitten Angaben zum Studium, zu beruflichen Erfahrungen, zu Fremdsprachkenntnissen und zu DV-Kenntnissen gemacht werden. Hobbys und andere persönliche Aktivitäten können aufgeführt werden, jedoch sollten diese ein zur Bewerbung passendes persönliches Bild abgeben. Häufig sind das sportliche Betätigungen, soziales Engagement o.ä.

Welche Anhaltspunkte zur Gestaltung können Sie geben?
Lebensläufe werden ausschließlich tabellarisch verfasst. Nichts verkehr macht man, wenn nach dem Block der persönlichen Daten die oben genannten weiteren Angaben in zwei Spalten dargestellt werden: in die linke Spalte beinhaltet das Datum bzw. die Dauer des Ereignisses geschrieben also (von-bis) und in die rechte Spalte dann die Beschreibung des jeweiligen Lebensabschnittes. Es ist ausreichend, wenn Beginn und Ende, beispielsweise des Studiums, mit Monat und Jahr angegeben werden. 

Sollte der Lebenslauf streng chronologisch sein
Chronologisch ja, aber in umgekehrt chronologischer Reihenfolge. Das hat seinen guten Grund, denn wenn ein Studienabsolvent sich bewirbt, dann interessiert den Arbeitgeber besonders das Studium, der Abschluss und die Studienschwerpunkte vielleicht in diesem Zusammenhang auch die Themen der Abschlussarbeit. Und deshalb sollten diese auch den Einstieg in den Lebenslauf darstellen.  

Und wenn jemand bereits Berufserfahrungen erworben hat? 
Dann beginnt der Lebenslauf nach den persönlichen Angaben damit, unter der Überschrift „Berufliche Erfahrungen und Qualifikationen“ o.ä.  

Wie viele Seiten darf ein Lebenslauf umfassen? 
Diesbezüglich gibt es eigentlich keine Konventionen. Der Lebenslauf kann also, anders als das Anschrieben, mehr als eine Seite umfassen. Auch hier gilt das Gebot der Übersichtlichkeit:  ein zu langer Lebenslauf würde dem wohl nicht genügen.

Welche Tipps können noch von Bedeutung sein?
Der Lebenslauf kann auch inhaltlich auf eine bestimmte Stellenausschreibung zugeschnitten sein, indem Qualifikation oder berufliche Erfahrung, die von besonderer Relevanz für die Stelle sind, hervorgehoben werden. Dies geschieht, in dem die entsprechende Lebenslaufstation mit Unterpunkten genauer beschrieben wird. 

Welche Formalien sind noch zu beachten?
Der Lebenslauf ist unbedingt zu unterschreiben und mit dem aktuellen Ort und Datum zu versehen. Gerade letzteres wird häufig vergessen, nämlich wenn der Lebenslauf schlicht aus einer vorherigen Bewerbung übernommen wird.  Wenn ein Lebenslauf per Email versandt wird, macht sich eine faksimilierte Unterschrift ganz gut, ist aber kein Muss, es reicht auch, den Namen ganz normal zu tippen.

Links:

Lebenslauf - Viele Beispiele und Vorlagen bei

Bewerbungstrainings –  u.a. Hinweise zum Lebenslauf 

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 8: Bereiten Sie sich auf das Jobinterview vor!

Interview mit Martin Damm, Leiter Zentralbereich Personal der Hegemann-Gruppe

Was ist generell bei Jobinterviews zu beachten?
Seien sie authentisch und halten sie sich vor Augen, dass es ein Gespräch auf Augenhöhe ist.

Wie bereite ich mich am besten vor?
Natürlich sollte man sich die Homepage des Unternehmens einmal anschauen und versuchen zu verstehen, welche Geschäftsmodelle, Kundengruppen und Organisationsstrukturen bestehen. Daneben empfehle ich eine Suche nach aktuellen News zum Unternehmen einfach durch eine Google-news-Suche. Darüber hinaus sind natürlich auch die Internetpräsenzen im Bereich der Social Media interessant. Schauen sie einfach mal, was in Xing, Kununu etc. über das Unternehmen zu lesen ist.
Neben diesen Informationen über das Unternehmen sollten Sie aber auch Ihren Lebenslauf nochmal durchgehen und sich einen flüssigen sowie pointierten Erzählfluss dessen aneignen. Es macht immer einen schlechten Eindruck, wenn der Bewerber bei der Darstellung seines eigenen Lebenslaufes ins Stocken gerät. 

Wie wichtig ist Deutsch?
Das richtet sich nach der Stelle und dem Unternehmen. Meist lässt sich dies auch schon an der Stellenanzeige ablesen. Ist die Stellenanzeige in Englisch oder einer anderen Sprache, dann können sie davon ausgehen, dass auch das Gespräch in dieser Sprache stattfindet.

Was sollte ich über die Firma wissen, bei der ich mich bewerbe?
Siehe oben.

Wie mache ich einen guten Eindruck?
Authentisch, freundlich und bescheiden sein. Dazu noch pünktlich und angemessen gekleidet. Mehr ist nicht notwendig, um beim Gegenüber eine positive Grundstimmung zu erzeugen.

Gelten für mich als internationaler Student andere Regeln als für deutsche Bewerber?
Nein.

Was mache ich nach dem Jobinterview??
Schreiben Sie immer ihre Eindrücke auf und senden sie nach einem sehr guten Gespräch eine kurze Dankes-Mail. 

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 9: Arbeitsbedingungen in Deutschland

Interview mit Moritz Jerzembeck und  Antonia Schmider, Hochschulinformationsbüro des Deutschen Gewerkschaftsbundes. 

Viele ausländische Studierende möchten oder müssen während ihres Aufenthalts in Deutschland ein Praktikum absolvieren, eine studentische Nebenbeschäftigung ausüben oder sogar im Anschluss an ihr Studium eine hauptberufliche Tätigkeit aufnehmen. Um keine bösen Überraschungen zu erleben lohnt es sich frühzeitig über die Rahmenbedingungen hierzu informiert zu sein. Für einen Ersten Einstieg hierzu dient diese Information des Hochschulinformationsbüros Bremen der Gewerkschaften. Weitere Informationen erhaltet ihr im Hochschulinformationsbüro des DGB an der Universität Bremen, in den Career Centern an Hochschule und Universität Bremen oder im Büro für ausländische Studierende im AStA der Universität Bremen.

Praktika, studentischer Nebenerwerb und Berufseinstieg 
Die meisten arbeitsrechtlichen Regelungen, die hier beschrieben  werden, gelten für alle Beschäftigungsformen. Mit Ausnahme von Pflichtpraktika, die in der Prüfungsordnung eures Studiengangs festgeschrieben sein müssen, gelten auch Praktika als Beschäftigungsverhältnisse. Demnach ist hier auch das Arbeitsrecht anzuwenden. Das betrifft insbesondere Regelungen zu Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub und Mindestlohn. Hiervon sind studentische Nebentätigkeiten (Minijob, Midijob, kurzfristige Beschäftigung) ausdrücklich nicht ausgenommen! Nur weil ihr hier weniger arbeitet, bedeutet das nicht, dass damit zwangläufig weniger Rechte verbunden sind.

Praktische Tätigkeiten nach Aufenthaltsstatus 
Beachtet bitte, dass eurer Aufenthaltsstatus (leider) Einfluss darauf hat, wie viel ihr arbeiten dürft. Während Studierenden aus der EU quasi den deutschen Studierenden gleichgestellt sind (Max. 20 Std. wöchentlich. Ausnahmen: Arbeit am Wochenende, in den Abendstunden oder kurzfristige Beschäftigungen von maximal als 70 Tagen oder 3 Monaten) und freien Zugang zum Arbeits- und Praktikumsmarkt haben, ist dieser für internationale Studierende aus Nicht-EU Ländern begrenzt! (120 volle oder 240 halbe Arbeitstage im Jahr). Hierauf finden auch Praktika (auch Pflichtpraktika) Anrechnung. Überschreitungen müssen unbedingt mit der Agentur für Arbeit und der Ausländerbehörde abgesprochen werden. Ausnahme hiervon ist die Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft. Hier dürfen alle internationalen Studierenden unbeschränkt arbeiten, solang das Studium hierdurch nicht gefährdet wird. Die Tätigkeit ist aber der Ausländerbehörde zu melden. 
Selbstständige oder freiberufliche Arbeit ist internationalen Studierenden aus Nicht-EU-Ländern leider nicht gestatten. Wenn ihr nicht aus einem EU-Land kommt, seid ihr also auf eine_n Arbeitgeber_In  angewiesen und dürft z.B. keine Rechnungen schreiben.

Praktikum 

Kann ich im Praktikum Geld verdienen? 
Ja, im Praktikum darf Geld verdient werden. Hierfür gelten aber unterschiedliche Voraussetzungen, je nach Praktikumsform. 

Pflichtpraktika, wie sie in den Prüfungsordnungen der Universitäten und Hochschulen festgeschrieben sind, gelten nicht als Arbeitsverhältnisse sondern als Bestandteil der Ausbildung. Damit kommen viele arbeitsrechtliche Regelungen hier nicht zur Anwendung. Ihr habt keinen Anspruch auf einen Lohn, auch wenn es inzwischen üblich ist, dass auch für Pflichtpraktika Geld bezahlt wird. Etwa 300€ im Monat kann als ein üblicher Wert angesehen werden, dieser kann je nach Branche stark schwanken. Es gibt auch immer noch Bereiche, in denen für Pflichtpraktika kein Geld bezahlt wird. Letztlich hängt das von eurem Praktikumsträger ab. Die deutschen Gewerkschaften halten ein Entgelt in Höhe des in Deutschland geltenden Unterstützungssatzes für Studierende (BAföG) auch für Pflichtpraktika für angemessen (in 2015 sind das 670€). Sprecht eure Praktikumsträger in jedem Fall auf eine angemessen Entlohnung an. 

Freiwillige Praktika, die nicht in der Prüfungsordnung stehen, gelten als Arbeitsverhältnisse, egal ob sie vor, während oder nach dem Studium stattfinden. Hier genießt ihr den vollen Schutz des Arbeitsrechts (Mindestlohn von 8,50€ ab dem 3. Monat, Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, usw.) In Einzelfällen zahlen große Betriebe an Gewerkschaftsmitglieder tarifvertraglich festgesetzte Praktikumsentgelte. Hier kann sich für euch eine Gewerkschaftsmitgliedschaft lohnen. Erkundigt euch vor Ort.

Hat es Sinn mehrere Praktika zu machen? 
Euer Pflichtpraktikum müsst ihr machen, das ist klar. Darüber hinaus lässt sich diese Frage nicht ganz einfach beantwortet. Einerseits gewinnt man durch Praktika viele Einblicke in die spätere Arbeitswelt und lernt ganz allgemein eine Menge. Auch zum sicheren Spracherwerb sind Praktika in vielen Fällen gut geeignet. Es ist aber überaus wichtig, dass dein Praktikum keinen regulären Arbeitsplatz ersetzt. Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis und sollte auch als solches von deinem Praktikumsträger verstanden werden. Praktikant_Innen werden viel zu häufig als günstige Arbeitskraft ausgenutzt. Dazu kommt, dass eine große Menge Praktika im Lebenslauf keineswegs nur gut aussieht. Viele potentielle Arbeitgeber_Innen könnten sich fragen, warum ihr so viele Praktika nötig hattet oder ob ihr so schwierig oder zu wenig durchsetzungsfähig seid um aus einer eurer vielen Praktikumsstellen in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu wechseln. Deshalb raten wir zu einer eher geringen Zahl von Praktika vor und während des Studiums. Befriedigt euer eigenes Bedürfnis nach Einblick und Wissenserwerb und scheut euch nicht euch frühzeitig als Experten zu empfinden und nach einem regulären Beschäftigungsverhältnis zu suchen. Das ist vor allem nach eurem Studium besonders wichtig. Generell raten wir von Praktika nach dem erfolgreichen Studienabschluss ab. Ab diesem Zeitpunkt seid ihr ausgebildete Fachleute und es gibt keinen Grund mehr euch als Praktikant_Innen anzustellen. Um euch nicht gleich auf Lebenszeit einstellen zu müssen haben Arbeitgeber_Innen andere arbeitsrechtliche Werkzeuge zur Verfügung, wie z.B. Probezeiten und befristete Verträge. Ein Praktikum ist kein Ersatz für einen richtigen Job!

Welche Rechte und Pflichten habe ich im Praktikum? 
Du hast in allen Praktikumssituationen ein Recht auf einen Praktikumsvertrag und solltest den auch unbedingt einfordern. In einem Praktikumsvertrag sollten alle Angaben zu Beginn und Dauer des Praktikumsverhältnisses, dem Ort des Praktikums, der Höhe der Vergütung, den Arbeitszeiten, der Dauer des Urlaubs und den Kündigungsfristen festgehalten sein. Außerdem solltest du darauf bestehen, dass dein Praktikum in Ablauf und Inhalt beschrieben wird und dir konkrete Ansprechpartner_Innen vor Ort genannt werden. 
Hier lassen sich natürlich auch deine „Pflichten“ nachlesen. So müsstest du dort auch nachlesen können, wie du vorzugehen hast, wenn du während deines Praktikums krank wirst oder wenn du dein Praktikum vorzeitig beenden möchtest. Manchmal lassen sich Arbeitgeber auch eine unternehmerische Geheimhaltungspflicht unterschreiben. Damit wollen sie sichergehen, dass keine sensiblen Informationen nach „draußen“ gelangen. An solche Absprachen solltest du dich natürlich halten. 
Es ist üblich, dass nicht jeder Praktikumsträger die arbeitsrechtlichen Regelungen eines Praktikumsvertrags im Einzelnen niederschreibt. Stattdessen findet man oft Bezüge auf allgemeines deutsches Arbeitsrecht oder die Sozialgesetzbücher. Lasst euch dadurch nicht verunsichern und sucht mit eurem Praktikumsvertrag nach Bedarf eine Beratungsstelle auf, wenn ihr bei der Interpretation Hilfe benötigt. Einen seriösen Arbeitgeber könnt ihr aber auch immer direkt nach den Absprachen in eurem Vertrag ausfragen. 
Beachtet unbedingt den Unterschied zwischen freiwilligem und Pflichtpraktikum. Während im freiwilligen Praktikum, spätestens nach dem 3. Monat der Beschäftigung, alle Arbeitnehmer_Innenrechte gelten, ist das bei Pflichtpraktika nicht so. Pflichtpraktika müssen mit einem bestimmten Stundensatz erfüllt werden. Werdet ihr also während eures Praktikums krank und leistet dadurch im Praktikum weniger Stunden als zur Prüfungsleistung gefordert, müsst ihr euer Praktikum verlängern um der Prüfungsordnung gerecht zu werden. So sind auch Kündigungen bei Pflichtpraktika problematisch. Das bedeutet aber nicht, dass ihr alles einfach ertragen und damit leben müsst, wenn ihr an euren Praktikumsplatz schlecht behandelt werdet oder nur Kaffee kochen und das Büro reinigen dürft. Sprecht im Zweifel frühzeitig mir der Praktikumsbetreuung eures Studiengangs oder den Beratungseinrichtungen an eurer Hochschule.

Berufseinstieg

Was muss ich über die ersten 100 Tage im Job wissen? 
Grundsätzlich kann die Anfangsphase im neuen Job besonders spannend sein. Endlich kannst du abstraktes Wissen in die Praxis umsetzen, lernst viele neue Kolleginnen und Kollegen kennen und erntest möglicherweise auf Anhieb viel Zuspruch deines Arbeitgebers. 
Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Zunächst hast Du immer Anspruch auf einen Arbeitsvertrag, der dem Praktikumsvertrag sehr ähnlich ist. Auch hier sind alle wichtigen Regelungen und, statt einer Ausbildungsbeschreibung, eine Tätigkeitsbeschreibung verzeichnet. Eine zwingende Vorschrift zu einem schriftlichen Arbeitsvertrag gibt es aber nicht. Sollte einmal eine Tätigkeit ohne schriftlichen Arbeitsvertrag aufgenommen werden, existiert rein rechtlich trotzdem ein Arbeitsvertag, der dann in allen Bereichen den gesetzlichen Minimalvorgaben entspricht. Wir raten daher: Besteht immer auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag! 
Erkundige dich in deinem Betrieb ob es vor Ort einen Betriebsrat (oder Personalrat) gibt (Arbeitnehmervertretung um Betrieb). Leider gibt es nicht in allen Betrieben einen Betriebsrat, wenn es aber einen gibt, ist er ein sehr guter Anlaufpunkt für alle rechtlichen und sozialen Fragen die sich für dich an deinem neuen Abreitplatz ergeben. 
Man darf nicht von dir erwarten, dass du zu Beginn gleich alles richtig machst. Solltest du gleich zum Anfang viele Überstunden ansammeln (weil du möglicherweise für die dir übertragenen Aufgaben etwas länger brauchst) dann solltest du die nicht deinem Arbeitgeber „schenken“. Er muss dir die Überstunden entweder mit Freizeitausgleich oder mit mehr Gehalt vergüten. 

Was ist eine Probezeit?
Oft ist eine Probezeit in deinem Arbeitsvertrag geregelt. Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die eine Probezeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses vorschreibt. Häufig wird aber eine Probezeitdauer von höchstens sechs Monaten vereinbart. Innerhalb der Probezeit können du UND dein Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen kündigen. Die Länge der Probezeit ist nicht gesetzlich geregelt, eine längere Probezeit als sechs Monate ist aber unüblich und sollte nicht akzeptiert werden.
In dieser Zeit gilt die allgemeine Kündigungsfrist von zwei Wochen (für den Arbeitgeber als auch für dich). Das heißt dein Arbeitgeber aber auch du könnt das Arbeitsverhältnis innerhalb von 14 Tagen auflösen Nach der Probezeit greift dann ein Kündigungsschutz von vier Wochen und die Kündigung muss begründet werden. Nicht in jeden Fall ist eine Kündigung dann zulässig. Erkundigt euch frühzeitig zu den Einzelheiten, wenn ihr eine Kündigung erhaltet oder selbst kündigen wollt. Aus einem für deine Branche abgeschlossenen Tarifvertrag kann sich eine kürzere Frist für eine Probezeit und längere Kündigungsfristen ergeben. Daran muss sich dann auch dein zukünftiger Arbeitgeber halten.
Die Probezeit dient also sowohl dir als auch dem Arbeitgeber in den ersten Tagen der Beschäftigung herauszufinden, ob ihr zusammenpasst. Du brauchst aber keine Angst haben, und die kommenden sechs Monate nur versuchen alles richtig zu machen. Nach unserer Erfahrung ist es ein besserer und entspannter Weg, Fehler geschehen zu lassen und diese zu nutzen um die eigene Fähigkeit im Umgang mit Fehlern unter Beweis zu stellen.
Ein voller Urlaubsanspruch ergibt sich erst nach sechs Monaten Beschäftigung und fällt oft mit dem Ablauf eurer Probezeit zusammen. 

Was ist, wenn ich krank werde?
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gilt für euch ab dem ersten Arbeitstag. Wer krank ist meldet das unverzüglich dem Arbeitgeber, geht anschließend zum Arzt, erhält dort neben der Behandlung ein Attest und reicht dieses innerhalb von drei Werktagen beim Arbeitgeber ein. Liegengebliebene Arbeit wird nicht unbezahlt nachgearbeitet.
Viele Arbeitgeber_Innen verstehen jedoch eine Krankschreibung in der Probezeit als Zeichen für eine_n schlechte_n Arbeinehmer_In und entscheiden auch hieran über eine Weiterbeschäftigung. Das ist natürlich großer Unsinn und eure Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen. Seid euch jedoch darüber im Klaren, dass lange oder häufige Krankschreibungen in der Probezeit gerne auf dieses Weise missverstanden werden. 

Welche Recht und Pflichten habe ich als Arbeitnehmer?
Grundsätzlich leiten sich deine Rechten und Pflichten aus deinem Arbeitsvertrag ab. Hier sollten alle Angaben zu der Ausgestaltung deines Arbeitsplatzes festgehalten sein. Immer wenn das nicht der Fall ist, greift die gesetzliche Minimalregelung. Eine Unterschreitung des gesetzlichen Minimums (Mindestlohn, maximale Wochenarbeitszeit, Urlaubstage, Lohn bei Krankheit, usw.) durch den Arbeitsvertrag ist verboten und kann den Vertrag als Ganzes unwirksam machen.
Deine Hauptleistungspflicht ist natürlich die Erbringung der vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung. Dein_e Arbeitgeber-In hat dabei einen Anspruch auf „durchschnittlich gute Leistungen“: Niemand muss immer perfekt sein!
Im Gegenzug muss dein_e Arbeitgeber_In das vertraglich geregelte Gehalt, zu dem ebenfalls vertraglich geregelten Zeitpunkt auszahlen. Dein Arbeitsvertrag sollte aber auch noch Angaben zu Arbeitsbeginn- und Dauer, zur Probezeit, zu Kündigungsfristen, der Anzahl der Urlaubstage usw. machen. Es gilt: Je mehr im Arbeitsvertrag wörtlich geregelt ist, desto weniger muss hinterher aus Gesetzen und Verordnungen herausgelesen werden.
Viele Arbeitsverträge sind auf Anhieb nicht immer zu verstehen. Als Gewerkschaftsmitglied kannst du deine zuständige Gewerkschaft bitten, deinen Vertrag im vor der Vertragsunterzeichnung zu prüfen. 

Einige Regeln die IMMER gelten: 

Arbeitsvertrag & Kündigung: Während ein Arbeitsvertrag nicht zwingend schriftlich vorliegen muss, gilt das nicht für eine Kündigung. Diese ist immer schriftlich auszusprechen. Mündliche Kündigungen sind nicht wirksam.

  • Urlaub: Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt 20 Tage/Jahr für Tätigkeiten, die an 5 Tagen der Woche ausgeführt werden und 24 Tage/Jahr für Tätigkeiten, die an 6 Tagen im Jahr ausgeführt werden. Der volle Urlaubsanspruch tritt nach 6 Monaten Beschäftigung ein. Davor wird Urlaub anteilig gewährt. Zusätzlich gibt es Sonderurlaube für besondere Fälle (Todesfälle in der Verwandtschaft usw.) Während des Urlaubs wird das Gehalt weitergezahlt. Der Urlaub ist am Stück zu gewähren, die Methode „Hier mal ein Tag, dort mal ein Tag“ nach dem Interesse der Arbeitgeber ist unzulässig.

  • Tarifverträge gewähren mehr Urlaubstage (bis zu 30+) und mehr Sonderurlaube z.B. im Falle eines Umzugs. Erkundige dich, ob in deiner Branche ein Tarifvertrag gilt. 

  • Arbeitszeit: Die übliche Wochenarbeitszeit beträgt 40 Stunden. Viele Tarifverträge regeln geringere Wochenarbeitszeiten. Die reguläre maximale Wochenarbeitszeit beträgt 48 Stunden und darf nur unter bestimmten Voraussetzungen und nicht regelmäßig überschritten werden. Unter Ausnutzung aller Ausnahmen und Regelungen ist eine kurzfristige maximale Wochenarbeitszeit von 60 Std. möglich (aber nicht ratsam!). Alles was darüber hinausgeht, ist illegal. Wer die erlaubte Arbeitszeit überschreitet, geht u.a. das Risiko ein, den Versicherungsschutz zu verlieren! 

  • Gleichbehandlung: Die unterschiedliche Gewährung von Rechten wegen Unterschieden im Geschlecht, der Herkunft, der Religion oder der sexuellen Gesinnung ist verboten. 

  • Sonderleistungen: Gewisse Sonderleistungen, wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Umzugsbeihilfen, usw. sind FREIWILLIGE Leistungen der Arbeitgeber. Hierauf besteht kein gesetzlicher Anspruch. Interessant für internationale Studierende: Umzugsbeihilfen bei Zuzug aus dem Ausland sind in vielen Branchen völlig unbekannt! Fragt euren Arbeitgeber danach, darauf bestehen könnt ihr leider nicht. 

WICHTIG: Freiwillige Leistungen der Arbeitgeber sind, wenn sie gewährt werden, immer ALLEN Mitarbeiter_Innen zu gewähren. Eine selektive Verteilung von Privilegien ist (zumindest auf diese Weise) nicht erlaubt.

Mit welchem Einstiegsgehalt kann ich rechnen? Gibt es große Schwankungen regional und nach Berufssparten?
Ja, es gibt Schwankungen beim Einkommen, sowohl nach Berufssparten, als auch nach Regionen. Bei den Sparten ist es so, wie fast überall auf der Welt: Technische und ökonomische Berufe werden i.d.R. besser bezahlt als z.B. soziale Berufe. Große Industrien bezahlen besser, als mittelständische Unternehmen oder Handwerksbetriebe. Regional gibt es sowohl ein Nord-Süd als auch ein Ost-West Gefälle. Im Süden wird besser verdient als im Norden, im Westen besser als im Osten. Diese Unterschiede spiegeln aber oft auch das jeweilige Preisniveau wieder.
In Deutschland spielt dazu das Tarifvertragssystem eine große Rolle. In Bereichen, in denen es Gewerkschaften gelungen ist mit den Arbeitgeberverbänden Tarifverträge auszuhandeln, sind die Löhne und die Arbeitsbedingungen zumeist besser und heben regionale Lohnunterschiede zumindest auf Nord-Süd-Ebene auf. Deshalb ist es wichtig zu wissen, ob in der anvisierten Firma ein Tarifvertrag gilt. Tarifvertragliche Löhne und Gehälter basieren auf einem von Gewerkschaften und Arbeitgebern festgelegten, einsehbaren System. Überall dort, wo keine Tarifverträge gelten, werden diese zwar gern als Richtschnur verwendet, letztlich sind eure Löhne in solchen Bereichen jedoch reine Verhandlungssache und von eurem eigenen Geschick anhängig.
Wir können keine allgemeingültigen Aussagen zum Verdienst machen.  Genaue Lohnspiegel und geltende Tarifverträge sind jedoch im Internet unter www.lohnspiegel.de erhältlich oder bei den Gewerkschaften vor Ort oder der Arbeitnehmerkammer in Bremen zu erfragen.
Für alle denen das zu abstrakt ist, hier ein kleiner Richtwert: Das Anfangsgehalt eines Ingenieurs in der Metall- und Elektroindustrie (BA) betrug im Wirkungsbereich des Tarifvertrags der IG-Metall (Gewerkschaft der M+E Industrie) in 2015 zwischen 4116€ und 4670€ brutto (je nach Tätigkeitsprofil).

Verdien ich wirklich mehr, wenn ich einen Master mache? 
Ja. Das gilt zwar nicht in jedem Einzelfall, aber im Durchschnitt verdienen Master Absolvent_Innen mehr als BA Absolvent_Innen. Das Lohnsystem basiert auf Lohngruppen und Tätigkeits- und Ausbildungsbeschreibungen, die diesen Lohngruppen zugeordnet sind. Wer hier mehr vorzuweisen hat, hat einen Anspruch auf eine höhere Eingruppierung und erhält mehr Geld. Das gilt zumindest überall dort, wo Tarifverträge gelten.

Was kann ich machen, wenn Probleme auftauchen?
Alle hier beschrieben Regelungen stellen den arbeitsrechtlichen Normalzustand in Deutschland dar. Leider gibt es immer wieder Arbeitgeber_Innen und Praktikumsträger, die das geringe Wissen internationaler Studierende über die geltenden arbeitsrechtlichen Regelungen ausnutzen. Das müsst ihr euch aber nicht gefallen lassen. Nehmt eure Rechte war und sprecht eure Arbeitgeber_Innen frühzeitig auf Missstände an und erkundigt euch, welche der hier aufgezählten Rahmenbedingungen für euch vor Ort gelten sollen und welche nicht. Das gibt euch eine gute Möglichkeit die Qualität eures Arbeitsplatzes oder eurer Praktikumsstelle einzuschätzen und euch, falls nötig, doch noch für eine andere Stelle zu entscheiden. Wenn ihr bereits eine Tätigkeit aufgenommen habt und euch ungerecht behandelt fühlt, dann sucht unbedingt eine der hier genannten Beratungsstellen oder das nächste Gewerkschaftsbüro in eurer Nähe auf und lasst euch zu euren Handlungsoptionen beraten.

Gewerkschaftsmitgliedschaft für internationale Studierende. Lohnt sich das?
Bis hier her habt ihr ziemlich oft Worte wie „Tarifvertrag“ und „Gewerkschaften“ gelesen. Tatsächlich sieht das deutsche Grundgesetz vor, dass nicht der Staat, sondern Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände für die Lohnfindung zuständig sind. Dort wo Gewerkschaften viele Mitglieder haben und damit mächtig sind, können sie für Arbeitnehmer vorteilhafte Tarifverträge aushandeln. Diese Bereiche und Branchen der Arbeitswelt sind bis heute die arbeitnehmerfreundlichsten im ganzen Land. Dieses System ist so erfolgreich, dass Arbeitgeber alle in Tarifverträgen ausgehandelten Vorteile allen Arbeitnehmer_Innen zu Verfügung stellen, egal ob sie Mitglied einer Gewerkschaft sind oder nicht. Das müssten sie rein rechtlich nicht tun, sie tun es aber, um damit ein Situation zu verhindern, in der nur gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer_Innen profitieren und somit alle Arbeitnehmer_Innen in die Gewerkschaften strömen würden, worauf noch bessere Abschlüsse möglich würden, usw.
Hieraus ergibt sich, dass eine Gewerkschaftsmitgliedschaft auch für internationale Studierende sinnvoll und wichtig ist: Ihr helft uns damit das Entgeltsystem zu erhalten und zu fördern, von dem ihr selbst profitieren könnt. Darüber hinaus bieten Gewerkschaften in Deutschland eine hochwertige Beratung in allen arbeitsrechtlichen Fragen, eine Rechtsschutzversicherung für den Streitfall vor deutschen Arbeitsgerichten und einen Service, bei dem Ihr eure Arbeitsverträge und Arbeitszeugnisse prüfen lassen könnt. Zudem erhaltet ihr Zugang zum Bildungsprogramm der Gewerkschaften. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft kostet für Studierende, je nach Berufsgruppe, maximal 2,50€ im Monat und danach 1% vom Bruttolohn. Also: Join your local Union.

Kontakt: 

HIB des DGB,
Moritz Jerzembeck, Antonia Schmider
http://hib-bremen.de/
Uni Bremen, Bibliothekstrasse 3/StH, Raum A 2040, 28359 Bremen
Tel: 0421 – 218 69 771
hib(at)uni-bremen.de

All information you can find as PDF.

Step 10: Warum nicht die eigene Firma gründen?

Interview mit Anke Truscheit, BRIDGE, Hochschule Bremen

Ich bin internationaler Student  in Bremen und überlege, eine eigene Firma zu gründen. Geht das überhaupt?Grundsätzlich ja. Hier ist es jedoch zunächst einmal wichtig, zu unterscheiden, ob der Studierende aus einem EU-Land oder einem Nicht-EU-Land kommt und welcher Aufenthaltsstatus vorliegt. Denn die erforderlichen Qualifikationen, Behördengänge und Genehmigungen vor einer Unternehmensgründung können sich hierbei unterscheiden. Sehr ausführliche und fundierte Informationen zu allen Gruppen  gibt es unter www.wir-gruenden-in-deutschland.de. Ich kann nur empfehlen, sich diese Website genau anzusehen, dort finden Sie alle Informationen, die internationale Studierende beachten müssen. Für internationale Studierende aus EU-Ländern gilt beispielsweise: grundsätzlich jede Person kann sich selbständig machen, auch Studierende oder Promovierende aus einem Land der EU, des EWR oder der Schweiz. Drei Kategorien der Selbständigkeit werden hier unterschieden:

  • Sie machen sich in einem der freien Berufe selbständig, dann werden Sie Freiberufler(in), 
  • Sie gründen ein Gewerbe, dann werden Sie Gewerbetreibende(r), 
  • oder Sie gründen ein Reisegewerbe, dann werden Sie Reisegewerbetreibende(r) – hier gibt es einige Besonderheiten gegenüber anderen Gewerbetreibenden. 

Daher müssen Sie zunächst herausfinden, zu welcher der drei Kategorien Ihre angestrebte selbständige Tätigkeit in Deutschland gehört. Und Sie sollten wissen, ob Sie die notwendigen Voraussetzungen erfüllen – in Bezug auf die Qualifikationen und auf weitere vorgeschriebene Formalitäten.. Weil die Voraussetzungen und Anforderungen für die drei Kategorien der Selbständigkeit unterschiedlich sind, gilt es zuerst, die richtige Kategorie für Ihre Gründungsidee zu finden. 

Es ist also nicht ganz einfach, die richtigen Schritte zu gehen, aber auf http://www.wir-gruenden-in-deutschland.de/ finden Sie viele Beispiele, Videos und alle wichtigen Informationen, um die nächsten Schritte zu gehen. Wichtige Hinweise bietet auch die Platform http://www.anerkennung-in-deutschland.de zur Anerkennung Ihrer bisherigen Abschlüsse. 

Wo kann ich in Bremen weitere Hinweise und Informationen erhalten?
Sinnvoll ist es, sich zu orientieren, welche Institution und/oder AnsprechpartnerIn für mich in Frage kommen. An der HS Bremen ist es die Hochschulinitiative BRIDGE (http://www.bridge-online.de/), die durch mich vertreten wird. Sie vereinbaren mit mir ein erstes Beratungsgespräch und senden mir am besten schon mal eine kurze Ideenskizze Ihrer Gründungsideen und einige Fragen, die Sie in diesem Kontext stellen möchten und deren Klärung für Sie wichtig ist.

Wie kann ich mich bereits während des Studiums  auf eine Existenzgründung vorbereiten? 
Sie können bereits während des Studiums das Beratungsangebot von BRIDGE nutzen und/oder im Rahmen des BRIDGE-Seminarangebotes Seminare belegen. Die BRIDGE-Seminare sind fast alle mit ECTS-Punkten versehen und können nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung eventuell angerechnet werden.

Welche Vorteile bieten mir eine eigene Firma?
Es kann viel Spaß machen, die eigene Kreativität auszuleben, selbstständig zu arbeiten, eigenverantwortlich zu handeln und flexibel bei der Gestaltung des Arbeitsalltags zu sein. 

Was für ein Know-How benötige ich, um eine eigene Firma zu gründen?
Zunächst einmal sollten Sie davon  überzeugt sein, dass Sie eine gute Idee haben und den Willen und das Selbstbewusstsein, diese Idee in Form einer Selbständigkeit auszuleben. Sie müssen nicht aus allen Bereichen das nötige Know-How haben, aber wissen, wann und wo Sie dies erwerben bzw. in Anspruch nehmen können, wie z.B. Steuerberatung.

Muss ich schon perfekte Ideen haben, wenn ich ein Gründerseminar besuche?
Nein. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Gründen gekommen?
Ich denke, den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, ich würde einfach sagen, wenn Sie das Gefühl haben: „Jetzt wage ich den Sprung ins Wasser.“

Gibt es das Gründergen? Oder: woran erkenne ich, ob ich das Zeug zum Gründer habe? Kann ich Unternehmersein lernen?
Bis zu einem gewissen Grad kann man/frau aus Seminaren etc. vieles erlernen. Dennoch würde ich sagen, dass etwas in der individuellen Persönlichkeit verankert sein sollte, was einen dazu motiviert und auf die Idee bringt, den Sprung in die Selbständigkeit zu machen. 

Schlafe ich noch gut als Gründer? Welchen Herausforderungen muss ich mich stellen?
Teils Teils. Aus Gesprächen mit GründerInnen weiß ich, dass so manche von ihnen schon schlaflose Nächte haben und hatten, aber auch das ist Teil der Selbständigkeit.

Was sind die größten Fallen für Gründer? Worauf muss ich besonders aufpassen? Woran scheitern Gründer am ehesten? Gilt das gleichermaßen für deutsche und internationale Studenten?
Sicherlich gelten für internationale Studierende die gleichen Hürden. Dennoch würde ich sagen, dass hier unter Umständen die größte Hürde die Sprachbarriere sein kann, d.h. die Chance einer erfolgreichen Umsetzung ist sicherlich umso größer, desto sicherer die deutsche Sprache beherrscht wird oder aber sie/er hat einen deutsche(n) Partner(in) an der Seite bzw. optimalerweise sogar im Gründungsteam, also kurz gesagt: „die Sprache ist der Schlüssel“. .

Welche besonderen Probleme muss ich als internationaler Gründer lösen?
Das gilt sicherlich insbesondere für notwendige Gründungsaktivitäten, die speziell die formalen Rahmenbedingungen einer Unternehmensgründung- und führung angehen, wie z.B. das, Finanzamt , bei dem es für einen Unternehmensgründer existenziell ist, die notwendigen Bedingungen zu erfüllen und ordnungsgemäß abzuliefern. Gerade hier ist die Sprachbarriere ein ganz sicher großes Problem, denn auf den Behörden wird man sicherlich nicht durchgängig auf englischsprachiges Personal stoßen.
Generell gilt, neben den betriebswirtschaftlichen Defiziten machen sich viele GründerInnen zu wenig Gedanken über das Alleinstellungsmerkmal ihrer Idee oder ihre Zielgruppen. Zu Beginn ist es gut, ein finanzielles Polster zu haben. In der Startphase ist der Umsatz oft wesentlich geringer als angenommen.

Nebenberufliche Selbständigkeit: wäre das für mich als internationaler Student eine Alternative?
Auf alle Fälle. Vor allem für diejenigen, für die es wichtig ist (oder die aufgrund der privaten Rahmenbedingungen, wie z.B. Familie, darauf angewiesen sind), über eine Anstellung zumindest teilweise abgesichert zu sein. Das gilt gleichermaßen für internationale Studierende, die darüber hinaus auf diesem Weg nicht nur Erfahrungen sammeln können, sondern auch Kontakte knüpfen können bzw. Netzwerke aufbauen, die Ihnen nach dem Studium – unabhängig davon ob die Selbständigkeit in Deutschland oder im Heimatland ausgeübt werden soll – immensen Nutzen bringen kann.

Kann ich schon während des Studiums selbständig tätig sein?
Ja, aber als internationale(r) Studierende(r) oder Promovierende(r) dürfen Sie nur im Nebenerwerb eine selbständige Tätigkeit ausüben, damit Sie ihren Studienabschluss oder ihre Promotion nicht gefährden. Der zeitliche Umfang einer selbständigen Tätigkeit im Nebenerwerb ist in Deutschland nicht geregelt. Damit Sie Ihren Status als Student/in bei der Krankenkasse nicht verlieren, dürfen Sie jedoch nicht mehr als 20 Stunden pro Woche selbständig tätig sein.

Muss ich das Finanzamt fürchten?
Nein. Mittlerweile – kann ich aus der Zusammenarbeit zwischen BRIDGE und dem Bremer Finanzamt – sagen, dass sich vieles (Service und Unterstützung) zum Guten  verändert hat. Es ist auch für die Finanzämter nicht erstrebenswert, wenn viele GründerInnen scheitern und/oder steuerliche Probleme bekommen, denn das hat zur Folge, dass  viel Arbeit auf die Finanzsachbearbeiter zukommt! Viele Infos (in Deutsch) gibt es auch hier: http://www.finanzen.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen53.c.3267.de#Beratungsangebot

Wie kann ich mein Vorhaben als internationaler Student finanzieren? Und wie kann ich mich absichern?
Im Prinzip gelten die Förderinstrumente gleichermaßen für internationale und deutsche Studierende.  Neben Förderprogrammen, wie z.B. BRUT oder Exist gibt es auch Möglichkeiten, zu sehr günstigen Konditionen Kredite aufzunehmen, wie z.B. der Mikrokredit bei der Bremer Aufbau-Bank. Bei den Preisträgern bei BRUT gab es mehrere internationale Studierende, auch bei EXIST war beispielsweise Ufuk Cehan, als Student aus der Türkei nach Deutschland gekommen, mit epholution an der Fakultät 4 der Hochschule Bremen erfolgreich.
In letzter Zeit immer beliebter geworden ist auch das sogenannte Crowdfunding, bei dem das Kapital über eine Vielzahl an Geldgebern über ein Onlineportal zur Verfügung gestellt. Wichtig ist, dass ein gewisses Polster/Ersparnisse vorhanden sind, weil es gerade am Anfang so manche Durststrecken zu überwinden gilt.

Was ist der Campus Ideen Wettbewerb? Was ist BEGIN? Und BRIDGE? Und BRUT? Kann ich  mich da als internationaler Student bewerben?
BRIDGE ist eine seit 2003 existierende hochschulübergreifende Initiative. Partner sind neben der Hochschule Bremen, die Universität Bremen sowie die Hochschule Bremerhaven und die Bremer-Aufbau-Bank. Die Zielgruppe von BRIDGE sind primär die Studierenden der Hochschulen sowie Wissenschaftliche MitarbeiterInnen als auch Alumni. Der CampusIdeenWettbewerb (http://www.bridge-online.de/campusideen.html) wird einmal jährlich durch BRIDGE initiiert und soll Studierende sowie WiMi´s der Hochschulen motivieren, sich mit einer Geschäftsidee „auszuprobieren“, d.h. selbst wenn noch keine konkrete Gründungsabsicht besteht, zu der Idee ein feedback von der Experten-Jury  zu erhalten und last but not least möglicherweise einen Geldpreis zu gewinnen. Auch ausländische Studierende sind willkommen,  sich am Wettbewerb zu beteiligen, gern auch in Englisch. Als Beispiel dafür, dass dies kein Ausschlusskriterium ist oder die Gewinnchancen mindert: 2013 hat bei CampusIdeenwettbewerb eine Gruppe von internationalen Studierenden den ersten Platz erlangt (PinApp“ | Preslav Rachev, Xeni Prassa, Hector Baide | Hochschule Bremerhaven).
BRIDGE leitet bei speziellen Fragen Sie gern an entsprechende Institutionen und Netzwerkpartner aus BEGIN weiter, wie z.B. Belladonna, RKW, IHK etc. BEGIN ist das Gründungs-Dachnetzwerk in Bremen und eine Initiative des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen: http://www.begin24.de/index.asp?tree_id=
BRUT ist ein Bremer Landesförderprogramm der BremerAufbau-Bank, in dem vom Konzept bis zur Gründung die Gründerinnen über 12 Monate begleitet und unterstützt werden. http://www.bab-bremen.de/gruenden.html

Wo kann ich weitere Unterstützung für mein Gründervorhaben erhalten? 

BRIDGE,
Anke Truscheit, Hochschule Bremen, Neustadtswall 30, AB-Gebäude, Raum 03
International Office, Dr. Heike Tauerschmidt, Hochschule Bremen, Neustadtswall 30, AB-Gebäude, Raum 106

RKW Bremen GmbH
Langenstrasse 30 (Eingang Ansgaritränkpforte)
28195 Bremen

Tel.: 0421 - 32 34 64 - 0
Fax: 0421 - 32 62 18
E-Mail: info(at)rkw-bremen.de

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen. 

Step 11: Visum beantragen

Interview mit Holger Esen, bsu Bremen

Das bsu ist bundesweit einmalig: eine gemeinsame Einrichtung der Universität Bremen und des Stadtamtes Bremen als Außenstelle des Stadtamtes für Ausländer- und Melderecht. Es bietet internationalen Wissenschaftlern und Studierenden auf dem Campus der Universität Beratung und Unterstützung bei Aufenthaltsangelegenheiten an. In allen anderen Städten muss sich dieser Personenkreis an die allgemeinen Ausländerämter wenden und längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Das bsu ist zuständig für alle internationalen Wissenschaftler und Studenten sowie deren Familien, die in Bremen wohnen und arbeiten bzw. studieren.
Das bsu ist gleichzeitig eine Meldestelle und bearbeitet die An-, Um- und Abmeldung der Wohnung, stellt Meldebescheinigungen, Reisepässe oder Personalausweise aus und nimmt auch Anträge auf polizeiliche Führungszeugnisse entgegen.

Wann ist das bsu erreichbar, wann sind die Öffnungszeiten?
Das bsu hat eine offene Sprechstunde. Einfach kommen! Eine Terminvergabe ist im bsu leider nicht möglich. Bei sehr hohem Kundenaufkommen - z.B. zu Semesterbeginn in den Zeiträumen März/April und September/Oktober an den Bremer Hochschulen - kann es dazu kommen, dass bereits relativ zeitnah keine Wartemarken mehr für die Sachbearbeitung am gleichen Tag ausgegeben werden können.

bsu(at)uni-bremen.de

Postanschrift:
Bremen Sevice Universität
Klagenfurter Straße
(Zentralbereich)  28359 Bremen

Dienstag: 9-13 Uhr, Mittwoch: 10-13 Uhr und 14-16 Uhr, Donnerstag: 9-13 Uhr

Telefon:
Ausländerangelegenheiten:

(0421) 218-61020 (Herr Esen)
(0421) 218-61021 (Herr Jahic)
(0421) 218-61022 (Herr Napp)

Kann ich auch eine Email schicken, wenn ich beispielsweise ein Praktikum außerhalb Bremens mache?
Man kann gerne Emails schicken. Um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten oder zu verlängern, muss man aber persönlich erscheinen. Es wird ein Fingerabdruck genommen, das geht leider nur persönlich!

Für wen sind Sie zuständig? Müssen alle internationalen Studierenden der Bremer Hochschulen zu Ihnen kommen, die nach dem Studium in Deutschland arbeiten wollen?
Dies hängt vom Land ab. Am einfachsten ist es für EU Bürger und Bürgern aus Liechtenstein, Island und Norwegen. Sie brauchen kein Visum oder eine Aufenthaltserlaubnis, um in Deutschland zu arbeiten. Sie müssen sich aber auch hier offiziell anmelden und bei der Meldebörde registrieren, wenn sie hier dauerhaft wohnen. Besondere Regeln gelten für Bürger aus Kroatien. Relativ einfach ist es auch für Studierende aus Australien, Israel, Japan, Kanada, Südkorea, Neuseeland, Brasilien, Schweiz  und den USA. Sie können ohne Visum einreisen, müssen dann aber nach ihrer Ankunft eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Um später in Deutschland arbeiten zu können, benötigen auch sie eine Arbeitserlaubnis.
Studierende aus allen anderen Ländern aber sollten sich mit uns in Verbindung setzen, um ihre Aufenthaltserlaubnis rechtzeitig zu verlängern bzw. eine neue Aufenthaltserlaubnis zu beantragen.

Was ist Ihnen wichtig? Worin sehen Sie ein Hauptproblem?

  1. Rechtzeitig kommen und beraten lassen
  2. Rechtzeitig kommen und beraten lassen
  3. Rechtzeitig kommen und beraten lassen

Die Studenten müssen sich rechtzeitig kümmern und sich beraten lassen. Auf keinen Fall den Ablauftermin der Aufenthaltserlaubnis überschreiten! Am besten 4 Wochen vor Ablauf der Aufenthaltserlaubnis kommen und fragen!

Muss ich Deutsch sprechen können bei der bsu?
Amtssprache ist Deutsch, aber Englisch ist ok. Bei anderen Sprachen benötigen die Mitarbeiter der bsu eine Übersetzung.

Ich bin ausländischer Student. Wieviel Tage im Jahr darf ich arbeiten?
Sind Sie im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis, dann berechtigt diese zur Ausübung einer Beschäftigung, die insgesamt 120 Tage oder 240 halbe Tage im Jahr nicht überschreiten darf. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, studentische Nebentätigkeiten an der Hochschule oder an einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung ohne zeitliche Einschränkung auszuüben.
Auch die Durchführung von studienbegleitenden Praktika, die also im Zusammenhang mit dem Studium stehen, ist zusätzlich erlaubt.

Was ist das Wichtigste, worauf ich als Student gegen Ende des Studiums achten muss?
Gegen Ende des Studiums sollten sich die Studierenden entscheiden, was sie machen wollen. Nach dem Bachelor einen Master? Oder wollen sie einen Arbeitsplatz suchen? In den Gesprächen bei der bsu sollte das klar genannt werden, damit die beste Lösung gefunden werden kann und beispielsweise doppelte Gebühren für die Ausstellung der entsprechenden Aufenthaltserlaubnis vermieden werden können. Die Zuständigkeit für Studierende bei der bsu endet nach dem bestandenen Studium. Sobald Studierende beispielsweise die Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche für 18 Monate erhalten haben, ist das Stadtamt Bremen für sie zuständig.

Wie lange kann ich in Deutschland bleiben, wenn ich nach dem Bachelor oder Master noch weiterstudieren möchte?
Maximal können internationale Studierende grundsätzlich 10 Jahre zum Zwecke des Studiums in Deutschland bleiben. Die Gebühr für die erstmalige Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis zum Studium in Deutschland beträgt bei einer Dauer von bis zum einem Jahr zurzeit 100,- EUR und bei mehr als einem Jahr 110,- EUR.
Bei der Verlängerung von  mehr als drei Monaten sind dann 80,- EUR zu bezahlen.

Ich möchte die Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche für 18 Monate beantragen. Was muss ich beachten?
Absolventen deutscher Hochschulen können sich 18 Monate Zeit lassen, einen angemessen Arbeitsplatz zu finden. Während dieser Zeit dürfen sie ohne Einschränkungen arbeiten. Das hat große Vorteile gegenüber einer Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber, da die Absolventen viel flexibler bei der Wahl der Arbeitsplätze sind, es wird von Seiten der Behörde nicht geprüft, ob die Stelle beispielsweise angemessen ist. Im Prinzip können die Absolventen in dieser Zeit alle Jobs annehmen, die sie wollen: gut und schlechter bezahlte Jobs, Tätigkeiten, die ihrem Abschluss entsprechen oder nicht, eine Traineestelle beginnen etc. Dies bietet auch die Chance, unterschiedliche Dinge ausprobieren zu können.
Als Grundsatz gilt: die Studenten müssen die Abschlussurkunde über das erfolgreich bestandene Studium einreichen. Im Ausnahmefall genügt auch ein gestempeltes und unterschriebenes Schreiben der Hochschule, dass die Prüfungen bestanden wurden.
Damit kommen die Studierenden in die Sprechstunde der bsu. Der Druck der Karte dauert ca. 3-4 Wochen. (sie wird in Berlin gedruckt). Die 18 Monate gelten ab dem Datum der (Bachelor oder Master-) Urkunde.
Für die 18 Monate muss man Einkünfte zum Lebensunterhalt nachweisen (mindesten 659 bis 670 Euro monatlich, nachzuweisen z.B. durch Kontoauszüge der letzten drei Monate). Die Verpflichtungserklärung zum Studium gilt dann nicht mehr. Zusätzlich muss der Student krankenversichert sein.
Dafür wird eine Gebühr von 80,- Euro fällig.

Sobald die Aufenthaltserlaubnis vorliegt, kann der Absolvent sich damit frei im Schengen Raum bewegen. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/EinreiseUndAufenthalt/Schengen_node.html

 

copyright: www.bamf.de/DE/Willkommen/Aufenthalt/eAufenthaltstitel/e-aufenthaltstitel-node.html

 

Wann kann ich eine Niederlassungserlaubnis beantragen?
Wenn ich mehr als zwei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung hatte.

Wenn ich einen Job gefunden habe und eine Arbeitserlaubnis beantragen möchte bzw. mein 18 Monate Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche abläuft, wie gehe ich vor?

  1. Der Grundsatz ist, das Jobangebot muss dem Studienabschluss entsprechen. Dies wird von der Ausländerbehörde überprüft. Wenn die Ausländerbehörde selber nicht entscheiden kann, wird es von der Agentur für Arbeit/ ZAV Duisburg geprüft. 
  2. Es sollte sich um ein angemessenes Angebot handeln. Damit soll auch verhindert werden, dass die Studierenden/ Absolventen über den Tisch gezogen werden, also schlicht ausgenutzt werden.
  3. Das Jobangebot kann auch eine Traineestelle sein. Meistens wird dann von der ZAV überprüft, ob es sich um eine angemessene Stelle handelt.
  4. Ähnlich verhält es sich mit der Höhe des Einkommens. Auch sie sollte angemessen sein. Dies hängt natürlich von der Sparte ab, IT Absolventen beispielsweise sollen aber nicht unfair geringe Löhne erhalten.

Wo beantrage ich die Arbeitserlaubnis? 
Solange die Akten noch bei der bsu liegen, kann die Arbeitserlaubnis dort beantragt werden. Die Studierenden/ Absolventen müssen dann die Abschlussurkunde und den Arbeitsvertrag und möglichst eine Stellenbeschreibung in deutscher Sprache mitbringen. Sobald aber die Akten bei der Allgemeinen Ausländerbehörde / Stadtamt sind, muss die Arbeitserlaubnis dort beantragt werden.

Kann ich einen normalen Job anfangen, solange ich noch Student bin und nur eine gewisse Anzahl von Stunden arbeiten kann?
Als Student kann man bis zu 120 Tage im Jahr arbeiten. Wichtig zu beachten ist jedoch: sobald das Studium abgeschlossen ist, muss ich eine Arbeitserlaubnis beantragen! Entweder auf Basis der Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche (18 Monate), als Blue Card oder als auf einen speziellen Job zugeschnittene Aufenthalts-/Arbeitserlaubnis.

Ich mache ein Praktikum als Student und möchte in der Firma bleiben. Wie gehe ich vor?
Dies hängt von der Dauer des Arbeitsangebotes ab. Wenn der Arbeitsvertrag beispielsweise nur für ein halbes Jahr gilt, ist es am unkompliziertesten, die Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche zu beantragen. Dann muss nicht überprüft werden, ob der Arbeitsvertrag dem Studium entspricht.

Als internationaler Student habe ich eine Arbeitserlaubnis für 120 volle Tage. Was passiert, wenn ich ein Praktikum mache, das bezahlt wird. Wird das auf die 120 Tage angerechnet?Grundsätzlich nein. Studienbegleitende Praktika zählen nicht zu den 120 Tagen. Ein Praktikum gilt nicht als Beschäftigung, solange Sie als Student/In an einer Hochschule immatrikuliert sind und es im Zusammenhang zum Studium steht. Das Praktikum ist dann Bestandteil des Studiums und wird nicht als Beschäftigung angerechnet. Ein entsprechender Hinweis ist bereits in den Nebenbestimmungen zur Aufenthaltserlaubnis enthalten.

Kann ich mich nach dem Studium in Deutschland auch selbstständig machen?
Ja, dabei gelten besondere Regeln. Ausführliche Infos gibt es hier: www.existenzgruendung-iq.de

Was ist die Blue Card und betrifft mich das, wenn ich einen deutschen Studienabschluss erwerbe?
Die Blue Card (seit 1.8.2012) wendet sich in erster Linie an Akademiker mit einem anerkannten Hochschulabschluss, die nicht bereits in Deutschland leben. Die Blue Card ist im Wesentlichen eine vereinfachte befristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Sie gilt bei unbefristeten Arbeitsverträgen für 4 Jahre und bei befristeten für die Dauer des Vertrages plus drei Monate. Um die Blue Card zu beantragen, muss ich kein Student in Deutschland sein. Grundlage der EU Blue Card ist eine Richtline der Europäischen Union, nämlich die Richtlinie 2009/50/EG zur Blauen Karte. Die Blaue Karte EU dien dem Zweck, hochqualifizierten Drittstaatenangehörigen den Aufenthalt in der EU gewähren. Damit soll einem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.
Voraussetzung ist neben dem Nachweis der Qualifikation ein Nachweis über ein konkretes Arbeitsplatzangebot mit einem jährlichen Bruttogehalt in Höhe von mindestens 46.400 Euro. In diesen Fällen ist eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (Arbeitsverwaltung) nicht erforderlich. Für Fachkräfte in den Berufsfeldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie für Ärzte gilt die „Blaue Karte EU“ auch dann, wenn sie genauso viel verdienen wie vergleichbare inländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mindestens jedoch 37.752 Euro. Dies betrifft zur Zeit: Naturwissenschaftler, Mathematiker, Architekt, Raum-, Stadt- und Verkehrsplaner, Designer, Ingenieur, Ingenieurswissenschaftler, Humanmediziner (nicht: Zahnarzt) sowie die akademische Fachkraft in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Allerdings muss hier die Bundesagentur für Arbeit der Beschäftigung zustimmen. Vereinfachte Regelungen beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt gibt es zudem für Wissenschaftler, Hochqualifizierte, Führungskräfte, leitende Angestellte und Spezialisten. Die Blue Card ist an den Arbeitgeber gebunden.
Es kann sich durchaus lohnen, eine Blue Card auch dann zu beantragen, wenn ich ein Studium in Deutschland erfolgreich absolviert habe. Dann gilt: Wird bei einer Beschäftigung ein Jahresbruttoeinkommen von mindestens 46.400 Euro oder von mindestens 37.752 Euro in einem Mangelberuf erzielt, ist keine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit notwendig. (was bei der Beantragung einer Arbeitserlaubnis erforderlich wäre).
Weiterer Vorteil der Blue Card: Im Vergleich zur „normalen“ Arbeitserlaubnis kann man mit der Blue Card bereits nach 21 Monaten eine Niederlassungserlaubnis beantragen, wenn man über gute Deutschkenntnisse (mindestens B1) verfügt. Ohne diese Kenntnisse kann die Niederlassungserlaubnis nach drei Jahren beantragt werden.
Weitere Informationen: http://www.bluecard-eu.de/blaue-karte-eu-deutschland/antrag.html

Wenn ich mich bei einer Firma für einen Job  bewerbe, scheuen die Firmen oft vor den bürokratischen Erfordernissen zurück, einen internationalen Studenten einzustellen. Was kann ich ihnen sagen? Welche Dokumente muss die Firma vorlegen? Was muss ich vorlegen?
Für die Aufenthalts/ Arbeitserlaubnis sind folgende Dokumente erforderlich: Arbeitsvertag (ggf. Entwurf) und eine Stellenbeschreibung. Für Jobs, die ich im Rahmen des 18 monatigen Visums zur Arbeitsplatzsuche annehme, gilt das nicht! Da von Seiten der Behörde nicht geprüft werden muss, ob die Stelle angemessen ist, müssen die Firmen auch nichts einreichen.

Wenn ich eine Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche beantragt habe und die 18 Monate laufen, wer ist dann für mich zuständig? Bei wem müsste ich die Aufenthaltserlaubnis beantragen?
Das Stadtamt.
auslaenderbehoerde-bsu(at)stadtamt.bremen.de

Was passiert, wenn ich mein Studium abbreche?
… dann wird grundsätzlich der Aufenthalt durch die zuständige Ausländerbehörde beendet, da man ausreisepflichtig ist …!

Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich hier als Austauschstudent studiere und keinen deutschen Uniabschluss erhalte, aber trotzdem gerne hier bleiben möchte?
Das ist leider schwierig: als Austauschstudent muss ich nach Beendigung des Studiums zurück! Die Aufenthaltsgenehmigung könnte nur verlängert werden, wenn ich in Deutschland weiter studiere. Ich kann also nicht in Deutschland bleiben, jobben und einen richtige Stelle suchen. Das geht leider nicht.
Anders ist es für Hochschulabsolventen mit einem anerkannten Hochschulabschluss. Sie müssen allerdings vorab bei der Deutschen Botschaft ein entsprechendes Einreisevisum zur Arbeitssuche beantragen und können sich damit bis zu sechs Monaten in Deutschland aufhalten, um sich eine Arbeit zu suchen. Sie müssen allerdings neben ihrem Hochschulabschluss einen Nachweis über die Lebensunterhaltssicherung für den geplanten Zeitraum des Aufenthaltes erbringen sowie krankenversichert sein. Während der Zeit der Arbeitsplatzsuche dürfen sie nicht arbeiten oder eine selbständige Tätigkeit aufnehmen. Es gelten also hier andere Regeln als bei der Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche.

Was passiert eigentlich, wenn ich mich ohne Visum in Deutschland aufhalte?? Ist das überhaupt erforderlich? Wem würde das auffallen?
Das wäre ganz schlecht, dann riskiere ich eine Anzeige wegen unerlaubten Aufenthaltes (bis zu zwei Jahre Gefängnisstrafe)!

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen.

Step 12: Tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus

Yohei Sato from Japan, MES alumni, Hochschule Bremen: 

“Als erstes sollte  man sich überlegen, was man am besten kann und dann ein Umfeld/ eine Industrie suchen, in dem diese Stärken gebraucht werden. Gut ist es auch, Freunde um ein objektives Feedback zu bitten und auch Beispiele zu geben, was man aus ihrer Sicht gut kann. Was man mag, entspricht nicht immer exakt dem, worin man gut ist. 

Zweitens unbedingt Deutsch lernen. Man braucht mindestens B2, um Gespräche mit Geschäftspartnern führen zu können. Wenn man ernsthaft in Deutschland arbeiten will, lohnt es sich, einige Monate in Deutschunterricht zu investieren. 

Drittens, viele Firmen suchen neue Mitarbeiter, wenngleich nicht unbedingt junge Absolventen. Aber warum nicht einfach nachschauen, wer Unternehmenspreise (z.B. Red Herring) gewonnen hat, dann erfährt  man, welches Unternehmen genug Geld hat, um Leute einzustellen. Wenn man liest, dass eine Firma  Gelder erhalten hat und man selber etwas anzubieten hat, dann ist das ein guter Weg. 

Und zu guter Letzt sicherstellen, dass  man sich sehr gut auf das Jobinterview vorbereitet.  Antworten auf alle normalen Interviewfragen überlegen! Die machen meistens 80% des Interviews aus. 

 

Diana Beju from Romania, alumni Jacobs University

“Wichtig ist es, ein gutes Netzwerk mit Freunden, Kollegen und früheren Kollegen zu pflegen. Wichtig ist es auch zu versuchen, offen zu sein, Türen nicht zu schnell zu schließen, es sei denn, etwas verstößt gegen die eigenen Werte.  Wenn ein Jobangebot nicht ganz den eigenen Erwartungen entspricht, lohnt sich ein zweiter Blick. Er könnte positiv überraschen oder neue Türen in die Zukunft öffnen.  

Genau so gilt: man sollte sich bewerben auch wenn man nicht 100% die Anforderungen erfüllt, auch bei 60% Übereinstimmung  ist es einen Versuch wert. Die Jobsuche ist ein Full-time job, man muss immer am Ball bleiben, mit Leuten sprechen und Augen und Ohren offen halten. 

Dabei auch mutig sein, mal ein Risiko eingehen, in diesen ersten Berufsjahren kann man auch mal flexibler sein, was Arbeitsbelastung, Ort, Reisen, Art der Arbeit angeht.”

Diese Informationen können Sie als PDF runterladen.

Career Service

Dr. Monika Blaschke
P: +49 421 5905-2184

Office: Neustadtswall 30, AB 04

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Infoveranstaltung Berufsbegleitender Master Kulturmanagement am 8. April 2017 um 10 Uhr

Strategie. Steuerung. Führung. Berufsbegleitend.

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