Studierende in Vorlesung

Promovieren in Deutschland – Zwei Wege zum Doktortitel

Die Promotion ist für viele Masterabsolvierende der nächste attraktive Karriereschritt. Auch viele internationale Absolvierende, die ihren Master oder MBA in Deutschland gemacht haben, entscheiden sich für eine Promotion in Deutschland. Denn das Land genießt den Ruf eines herausragenden Forschungsstandorts. Grundlegend gibt es dabei zwei Wege zum Doktortitel: die individuelle Promotion und die strukturierte Promotion (PhD).

Individuelle Promotion

Die individuelle Promotion ist der traditionelle Weg, den über drei Viertel aller Doktorand:innen in Deutschland einschlagen. Dafür musst du eine:n Universitätsprofessor:in finden, der oder die in deinem Fachbereich tätig ist und deine Dissertation betreut. Abhängig von deinem Forschungsthema kann es sinnvoll sein, die Dissertation allein oder in Kooperation mit anderen Wissenschaftler:innen zu schreiben. Du kannst deine Promotion an einer Universität, einer gleichgestellten Hochschule, einer Forschungsorganisation oder im industriellen Sektor durchführen – du entscheidest, welche Variante am besten zu dir passt. Die Dauer der Promotion beträgt im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre.


Promovieren an der Hochschule Bremen

An der Hochschule Bremen (HSB) kann eine individuelle Promotion in Kooperation mit einer deutschen oder internationalen Universität durchgeführt werden. Der Doktortitel wird in diesem Fall durch die kooperierende Universität verliehen. Als kooperativ Promovierende:r hast du in der Regel eine:n Betreuer:in an der HSB sowie eine:n Betreuer:in an der kooperierenden Universität. Der Vorteil dieser Variante: Du profitierst von unterschiedlichen Perspektiven und Angeboten und erhältst durch deine in der Regel anwendungsorientierte Forschung oftmals direkte Kontakte in die Praxis. Eine kooperative Promotion an der HSB dauert im Regelfall drei Jahre. Erfahre mehr über die aktuellen Promotionsprojekte an der HSB.
 

HSB kann künftig eigenständig den Weg zur Promotion anbieten

Wie die meisten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland verfügte die HSB vormals über kein eigenes Promotionsrecht. Dies hat sich im Jahr 2024 geändert, als das Land Bremen mit der Bremer Promotionsverordnung die rechtlichen Voraussetzungen zur Verleihung des Promotionsrechts an forschungsstarke Bereiche der Bremer Hochschulen schuf. Künftig kann die HSB in forschungsstarken Bereichen somit eigenständig den Weg zur Promotion anbieten. Derzeit werden an der HSB in Kooperation mit der Hochschule Bremerhaven Anträge für die Verleihung des Promotionsrechts in den ersten Promotionsverbünden vorbereitet. Kooperative Promotionen werden auch weiterhin durchgeführt und durch die eigenständige HSB-Promotion ergänzt. Beide Varianten werden künftig gleichwertig nebeneinander bestehen. 

PhD – Strukturierte Promotionsprogramme

Als Alternative zur Individualpromotion besteht in Deutschland die Option, innerhalb eines strukturierten Promotionsprogramms zu promovieren. Diese Programme ähneln dem angelsächsischen PhD-System. Der PhD (Philosophiae Doctor, engl. Doctor of Philosophy) ist in englischsprachigen Ländern der wissenschaftliche Doktorgrad und damit der höchste Abschluss des Postgraduiertenstudiums. Er ist, anders als es die wörtliche Übersetzung „Doktor der Philosophie“ vermuten lässt, nicht an eine bestimmte wissenschaftliche Disziplin gebunden. Das Modell sieht eine ständige und intensive Betreuung durch ein Team von Betreuenden vor und beinhaltet ein Curriculum aus Kursen, die in der Regel einen interdisziplinären Fokus haben. Dabei werden auch deine Fähigkeiten in akademischen und wissenschaftlichen Methoden (z. B. Präsentationstechniken) geschult und deine Soft Skills gefördert. Das systematische Vorgehen bei dieser Promotionsform ermöglicht es dir, deine Promotion innerhalb von drei bis fünf Jahren abzuschließen. PhD-Programme sind häufig international ausgerichtet, oft ist Englisch die Teamsprache.

In Deutschland unterscheid sich der individuelle Doktor vom PhD grundlegend in diesen Aspekten:

  1. Betreuung: Bei der individuellen Promotion übernimmt die Betreuung meist ein:e Professor:in, während beim PhD die Betreuung der Doktorand:innen in der Regel durch mehrere Professor:innenen erfolgt.
     
  2. Struktur: Die individuelle Promotion ist vergleichsweise frei gestaltbar und verbindet die Erstellung der Dissertation meist mit der wissenschaftlichen Mitarbeit an einem Institut. Der PhD hingegen ist strukturiert und ähnelt einem Studium, das neben den üblichen Kursen auch die Anfertigung einer Dissertation umfasst. Wissenschaftlicher Fokus: Die individuelle Promotion stellt das selbständige wissenschaftliche Arbeiten zu einem bestimmten Forschungsthema in den Vordergrund, während der PhD den Fokus mehr auf allgemeine wissenschaftliche Forschung legt.
     
  3. Dauer: Die Dauer der individuellen Promotion hängt von deinem eigenen Zeitplan ab – oder von der Laufzeit deines Arbeitsvertrags. Im Durchschnitt kannst du mit einer Dauer von fünf bis sechs Jahren rechnen. Die Dauer des PhD ist in der Regel auf drei bis fünf Jahre begrenzt.
     
  4. Finanzierung: PhD-Programme werden in der Regel öffentlich ausgeschrieben und beinhalten häufig Stipendien oder Stellen für Doktorand:innen. Die Finanzierung individueller Doktorand:innen erfolgt meist über eine wissenschaftliche Mitarbeit an der jeweiligen Hochschuleinrichtung oder Forschungsorganisation, über Stipendien und Förderprogramme sowie im Falle der Industriepromotion über die Unternehmenskooperation. Der größte Stipendiengeber für Promotionen in Deutschland ist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).Finde die passenden Fördermöglichkeiten für dein Promotionsvorhaben in der DAAD-Stipendiendatenbank.

 

Für die individuelle Promotion gut geeignet bist du, wenn du:

  • Gerne selbstbestimmt arbeitest
  • Ein eigenes Forschungsthema hast
  • Langfristig in die Wissenschaft oder Forschung möchtest


Für den PhD gut geeignet bist du, wenn du:

  • Struktur und klare Zeitpläne brauchst
  • Teamarbeit magst
  • Voll finanzierte Programme suchst


Interessiert? Für weitere Information rund im die Promotion in Deutschland empfehlen wir dir auch die Website des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt.