Wenn du auf dein erstes Semester am IGC zurückblickst, was hat dich am meisten überrascht?
Mir ist sofort das hohe Maß an Selbstständigkeit in Verbindung mit Vertrauen aufgefallen. Das System hier geht davon aus, dass man in der Lage ist, seine Zeit, sein Studium und sein Leben ohne ständige Aufsicht zu organisieren. Diese Umstellung war anfangs groß, gab mir aber schnell ein Gefühl der Selbstbestimmung. In akademischer Hinsicht fand ich die Betonung auf praktischem Denken, offenen Diskussionen und der Anwendung in der Praxis erfrischend. Anstatt Informationen nur passiv aufzunehmen, wird erwartet, dass du hinterfragst, dich einbringst und deine eigene Perspektive entwickelst.
Was war deine größte Herausforderung in den ersten Wochen und wie bist du damit umgegangen?
Die anfängliche Herausforderung bestand darin, sich im Alltag zurechtzufinden. Dinge wie Wohnungssuche, Anmeldung bei der Stadt, Kontoeröffnung und Krankenversicherung erfordern eine strukturierte Herangehensweise und Geduld. Es kann sich überwältigend anfühlen, weil alles von Terminen und Unterlagen abhängt. Der Schlüssel zum Erfolg war ein methodisches Vorgehen. Die Aufgaben in kleinere Schritte zu unterteilen, den Prozess hinter jeder Anforderung zu verstehen und konsequent zu bleiben, hat dazu beigetragen, dass sich alles gefügt hat.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem du das erste Mal das Gefühl hattest, dich wirklich eingewöhnt zu haben?
Es war keine einzelne Erkenntnis, sondern ein allmählicher Prozess. Das Gefühl, mich wirklich eingewöhnt zu haben, kam auf, als die täglichen Routinen ganz natürlich wurden: Als ich ohne zu zögern öffentliche Verkehrsmittel nutzen, meinen Einkauf erledigen, konzentriert am Unterricht teilnehmen und mich in meiner Umgebung wohlfühlen konnte. Dieser Übergang von Unsicherheit zu Vertrautheit ist subtil, aber tiefgreifend.
Inwiefern unterscheidet sich das Studium in Deutschland bisher vom Studium in Indien?
Der Unterschied liegt in der Tiefe gegenüber der Menge. In Deutschland liegt der Fokus darauf, Konzepte zu verstehen und anzuwenden, statt große Stoffmengen schnell durchzunehmen. Die Diskussionen im Unterricht sind interaktiver und deine Meinung zählt. Die Professor:innen fördern kritisches Denken und eigenständige Standpunkte. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem das Lernen ansprechender und weniger mechanisch wirkt.
Was hat dir geholfen, dich im Alltag zurechtzufinden?
Mir hat es geholfen, zu verstehen, dass alles innerhalb eines Systems funktioniert. Sobald man die Logik hinter den Abläufen erkennt, wird es viel einfacher. Die Unterstützung durch die Universität, Online-Communities und das Beobachten, wie andere mit Situationen umgehen, waren für mich sehr hilfreich. Es ist ein Lernprozess, der jedoch schnell Selbstvertrauen aufbaut.
Wie hast du deine sozialen Kontakte geknüpft?
Die meisten Kontakte sind durch gemeinsame Erlebnisse entstanden. Hochschulveranstaltungen, Gruppenprojekte und informelle Treffen bieten natürliche Gelegenheiten, um Leute kennenzulernen. Hier dauert es vielleicht etwas länger, bis sich Beziehungen entwickeln, aber sie sind in der Regel authentischer und bedeutungsvoller, da sie auf Gemeinsamkeiten und gemeinsamen Erfahrungen beruhen.
Welche Rolle spielt die deutsche Sprache in deinem Leben hier? Wie gehst du damit um?
Deutsch spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Selbst einfache Interaktionen laufen reibungsloser ab, wenn man die Sprache versteht. Mein Ansatz war es, mich eher auf den praktischen Gebrauch als auf Perfektion zu konzentrieren. Das Lernen einfacher Sätze und der schrittweise Aufbau darauf machen einen spürbaren Unterschied in Bezug auf Selbstvertrauen und Unabhängigkeit.
Welche drei konkreten Tipps würdest du zukünftigen Studierenden geben, die ein Studium hier in Betracht ziehen?
- Entwickle vor deiner Ankunft eine strukturierte Denkweise. Planung und Organisation erleichtern alles.
- Bleibe geduldig, was die Abläufe angeht. Verzögerungen sind normal, aber die Systeme sind zuverlässig, wenn man sie korrekt befolgt.
- Fange frühzeitig an, Grundkenntnisse in Deutsch zu erwerben. Das verbessert deine Erfahrung erheblich und hilft dir, dich besser integriert zu fühlen.
“Kabiraaa” Raj Manthan, Student MBA in Global Management am IGC, Studienstart Wintersemester 2025/2026